Mit dem Jeep durch Marokko – Ein Leben wie in 1.001 Nacht

„Marokko ist ein Land, das sein Wesen nur jenen offenbart, die sich die Zeit nehmen, Wasser zu schöpfen und eine Kanne Tee aufzugießen.“ Dieses alte marokkanische Sprichwort bringt die Faszination von Marokko gut auf den Punkt. Obwohl nur drei Flugstunden von Deutschland entfernt, taucht man in eine ganz andere, faszinierende Welt ein – solange man sich die Zeit nimmt und mit offenen Augen und Ohren das Land in sich aufnimmt. Um Marokko möglichst authentisch und intensiv zu entdecken und zu erleben, entschloss ich mich für eine viertägige, geführte Tour mit einem anschließenden Besuch von Fès.

Start der Tour in Marrakesch

Marrakesch hat mit seinen labyrinth-artigen Souqs (Basare) einen ganz eigenen Charme. Die vielen kleinen Läden mit ihren handwerklichen Produkten, die Gewürzläden mit den fremdländischen Gerüchen und die vielen Läden mit Stoffen und traditionellen Kleidern lassen einen in die Welt von 1.001 Nacht hinein tauchen. Mittelpunkt von Marrakesch ist der zentrale Marktplatz Djemaa El Fna.

Hier herrscht an den Abenden ein wildes Treiben mit Gauklern und Schlangenbeschwörern, Vorlesern, Wahrsagerinnen sowie Künstlern und Musikern. Ferner gibt es Verkaufsstände, an denen kulinarische Spezialitäten der Region gereicht werden. Besonders empfehlenswert ist der frischgepresste Orangensaft für umgerechnet 20 Cent. Der Djemaa-el-Fna-Platzes wurde im Jahr 2001 auf die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Von Marrakesch starteten wir mit dem Touranbieter Marocco Explored (http://www.moroccoexplored.com/) unseren viertätigen Trip in einem neuen Toyota-Jeep durch Marokko. Unsere Gruppe bestand aus drei Teilnehmern und unserem Fahrer Essallah. Einen fachkundigen, interessierten und sprachlich sehr versierten Fahrer zu haben, war einer der absoluten Highlights dieser Tour. So hatten wir dadurch die Chance unsere vielen Fragen zu Marokko, seinen Einwohnern und seiner Kultur und Geschichte beantwortet zu bekommen.

Direkt nach Verlassen von Marrakesch näherten wir uns schnell dem Atlas-Gebirge. Was ein Anblick! Die Straße schlängelt sich langsam, aber stetig die Berge hoch. Langsam fahrende LKWS und Busse werden schon einmal flott in Kurven überholt – dabei geht es rechts und links teilweise einige hundert Meter ins Tal runter.

In der Wüstenstad Aït-Ben-Haddou machten wir einen Zwischenstopp. Bekannt ist dieserOrt durch die Vielzahl an Filmen, die vor dieser ehrwürdigen Kulisse gedreht worden sind. Unter anderem wurden hier so erfolgreiche Filme wie Lawrence von Arabien, Gladiator und Prince of Persia gedreht.

Abends übernachteten wir im Dades-Tal, welches noch heute von vielen Berbern bewohnt wird. Besonders bemerkenswert sind die roten Felsformationen, in denen sich teilweise Kasbahs (Burgen) befinden. Am Abend konnten wir bei einem traditionellen marokkanischen Abendessen den Ausblick über das Tal und die Gärten genießen.

Am nächsten Tag ging die Reise weiter. Auf dem Weg in die Wüste fällt uns die abwechslungsreiche Landschaft in Marokko auf. Es ist keine Seltenheit, dass wir innerhalb eines Tages in fünf verschiedene Vegetationszonen kommen. Sehr grüne Landstriche, gefolgt von schwarzen, mondähnlichen Gesteinsformationen bis hin zu schier endlosen Wüstenabschnitten – und das alles an nur einem Tag.

Schon von weitem sahen wir die majestätischen Erg Chebbi Dünen. Diese sind die größten und höchsten Sanddünen Marokkos. Hier wechselten wir das „Verkehrsmittel“ und ritten langsam mit unseren Kamelen in unser Biwak (Nachtlager). Die absolute Stille der Dünenlandschaft, gepaart mit dem gleichmäßigen Hin und Herr der „Wüstenschiffe“ hatte etwas Beruhigendes und Meditatives. Angekommen im Biwak lauschten wir bei einem traditionellen Tagine-Abendessen einer Berber-Musikgruppe.

Die marokkanische Redensart „Wer in die Wüste hineingeht, kommt als ein Anderer zurück“ habe ich am eigenen Leib gespürt. Das Gefühl, auf dem Rücken-liegend die gesamte Milchstraße über einem zu sehen und die absolute Stille der Wüste zu genießen, ist einer meiner beeindrucktesten Reiseerlebnisse, die ich jemals erleben durfte. Am nächsten Morgen nach der Übernachtung in einem traditionellen Nomaden- Zelt beim Sonnenaufgang die sich verändernden Farbspiele der Wüste zu beobachten, war dabei das i-Tüpfelchen des Wüsten-Trips.

Unsere Reise ging weiter durch den Süden von Marokko. Auf dem Weg besuchten wir die beeindruckenden Felsformationen von Todra Gorge, wo die Felswände bis zu 300 Meter in die Höhe ragen. Auf dem Rückweg machten wir Halt in Tinehir, wo wir mit einem Berber-Führer durch die Palmengärten, die Dörfer und die Kasbahs (Burgen) gingen. Hier wurde uns erklärt, wie die Berber früher und heute lebten. Überall wurden wir offen und interessiert begrüßt. Am Abend übernachten wir ein letztes Mal in einem marokkanischen Gästehaus. Nach dem vorzüglichen Abendessen wurden wir mit einem fantastischen Blick auf den Sternenhimmel mit der Milchstraße belohnt!

Am nächsten Tag ging es mit einem Zwischenstopp in der historischen Stadt Ouarzazate über das Atlasgebirge wieder zurück nach Marrakesch.

Mit bestem Gewissen kann ich eine solche 4-Tagestour durch Marokko empfehlen.

Die Vielfalt an Eindrücken, die man in dieser Zeit bekommt ist unglaublich. Ich hätte vor meinem Besuch in Marokko nicht erwartet, dass dieses Land so abwechslungsreich ist.

Die vielen verschiedenen Landschaften, die Offenheit der Menschen und das Gefühl von 1.001 Nacht in den kleineren und größeren Städten macht Marokko zu einem ganz besonderen Reiseland.

Zum Schluss noch ein Geheimtipp:

Nach Beendigung der geführten Tour, bin ich mit der sehr komfortablen marokkanischen Eisenbahn in der ersten Klasse nach Fès gefahren. Fès ist die drittgrößte Stadt Marokkos mit 946.815 Einwohnern. Sie ist die älteste der vier Königsstädte des Landes (Fès, Marrakesch, Meknès, Rabat) und galt nach der Begründung der Qarawiyin-Universität als geistiges Zentrum der Region. Die Altstadt, Musterbeispiel der orientalischen Stadt, steht seit 1981 als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Dabei soll es sich im Hinblick auf die Fläche um die weltweit größte mittelalterliche Altstadt handeln. Das tiefe Blau der Keramik gilt als Wahrzeichen von Fès, neben den grünen Dächern der Sakralbauten, die das Bild der Stadt aus der Vogelperspektive prägen.

Das interessanteste ist die Medina in Fes (Stadt) mit den Souks und den engen Gassen aneinandergereihte Läden in denen nach alter Tradition Kunsthandwerk betrieben wird. Gewürzstände mit deren exotischen Düften, die betörend in die Nase steigen. Shops in denen die Köstlichkeiten, süßes oder deftiges angeboten werden. Ein orientalischer Markt, der seines gleichen sucht. Marokkanische mit Tierhäuten bespannte und mit Henna bemalte Lampen und Brieftaschen aus Leder, mit Orient-Layout, kann man hier am billigsten kaufen. Das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben und irgendwo im Mittelalter gelandet zu sein, ist hier noch deutlich stärker ausgeprägt als in Marrakesch. Die Altstadt hier ist so groß, kompakt und dicht bebaut, dass es wirklich schwer ist, nicht die Orientierung zu verlieren.

In den tausenden von engen Gassen kann man das authentische marokkanische Leben mit allen Sinnen genießen. Abgerundet wird dieses einmalige Erlebnis mit einer Übernachtung in einem traditionellen Riad (Gästehaus), in dem man in gemütlich eingerichteten Innenhöfen bei einem Minztee – dem typischen Getränk in Marokko – oder in den stilvoll eingerichteten Zimmern entspannen kann.

Kontaktdaten des Guides:

Essallah Chabaoui
info@moroccoexplored.com
Telephone to Morocco:
GSM: +212 66 770 5212

Autor & Bilder: Sven H.