Auf der alten Heerstrasse zu Prometheus – Reisenotizen aus dem georgischen Kaukasus

Vor einer Reise nach Georgien empfiehlt es sich, noch einen schnellen Blick in Gustav Schwabs Sagen des Klassischen Altertums zu werfen, wo der Kaukasus als geschichtsträchtiger Ort beschrieben wird, an dem Jason (und seine Argonauten) sich mit Hilfe Medeas (Tragödie von Euripides) das Goldene Vlies erkämpfte, und Prometheus, einer der Titanen in der griechischen Mythologie, auf Geheiss des Zeus an eine Wand des über 5000 Meter hohen Berg Kazbeg gekettet wurde, weil er den Menschen das Feuer brachte. All das hat sich der Sage nach in Georgien abgespielt, zwischen seiner Schwarzmeer-Küste und dem gewaltigen Bergmassiv, das es gegen Russland und seinen Flickenteppich unruhiger nordkaukasischer Teilstaaten wie Nordossetien, Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien abgrenzt. Das Drama Der Kaukasische Kreisekreis von Berthold Brecht, in dem sich Egoismus und Nächstenliebe gegenüberstehen, mag eine interessante Reiselektuere sein.

Unser Bildbericht beschränkt sich auf Notizen von einem Ausflug auf der alten Heerstrasse, die als E117 Georgien mit Russland verbindet. Obwohl es einen aus dem kalten Krieg für deutsche Ohren vertrauten „kleinen Grenzverkehr“ gibt, ist ein Grenzübertritt für Ausländer zwischen Kazbegi und Wladikawkas nur nach Überwindung erheblicher bürokratischer Hürden möglich. Wir haben bei Avis in Tbilisi (Büro im Courtyard Marriott Hotel, Freiheitsplatz 4, email: Natia.petriashvili@avis.ge, Tel. +995599190399) ein Auto fuer zwei Tage gemietet (Inklusivkosten €60/Tag) und erreichen die durchwegs gut ausgebaute Heerstrasse nach Durchquerung der Hauptstadt im Vorort Mzcheta.

Eine hügelige Landschaft begleitet uns auf der Fahrt zur Festung Ananuri am Shinwali-Stausee. Links und rechts der Strasse bieten ältere, meist in Schwarz gekleidete Frauen Produkte aus ihren Gärten an: Feigen, Kirschen, Stachel- und Himbeeren, aber auch scharfe Sossen, die sie aus Kräutern und Gewürzen hergestellt haben. Salbei, Minze, Estragon und vieles mehr wird feilgeboten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tankstellen an der alten Heerstrasse gibt es genug, wie diese kurz hinter Mzcheta (westlich von Tbilisi); ihre Verwendung hat sich allerdings den Verhältnissen angepasst. Die Trasse windet sich seit hunderten Jahren über den Kaukasus, aber erst zum Ausgang des 18. Jahrhunderts wurde ihr wegen ihrer nun vorwiegend militärischen Bedeutung die Bezeichnung Heerstrasse zugedacht. Sie verläuft von Tbilisi in nördlicher Richtung bis ins zu Russland gehörende nordossetische Wladikawkas, eine Strecke von etwas über 200 Kilometer.

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch Passanauri, dessen traurige, zerbröckelnde Villen aus dem 19. Jahrhundert an seine grosse Vergangenheit als zaristischer Kurort erinnern, geht es nun langsam bergwärts Richtung Gudauri, einem von den Hauptstädtern bevorzugten Wintersportziel, das wir nach zahlreichen Serpentinenkurven erreichen. Die Heerstrasse passiert markante Mineralquellen, die bizarre Bilder in die Landschaft malen. Sie wird auch von Gletschern gesprägt, die bis an den Asphalt der Strasse lecken.

 

 

 

 

 

 

Vor dem Gletschereis haben sich fliegende Händler mit ihren kleinen Ständen eingerichtet, um ihr kunterbuntes Allerlei zu verkaufen. Die Strasse hier oben ist zwar ganzjährig geöffnet, aber im Winter ist ein Weiterkommen nur mithilfe von Schneefräsen und vielen Tunnels möglich, die vor dem meterhohen Schnee schützen, der sich bis Mai auftürmen kann. Deutsche Kriegsgefangene haben diese Tunnels wie auch wesentliche Strassenabschnitte gebaut. Einige von ihnen liegen auf einem kleinen Friedhof am über 2000 m hohen Kreuzpass begraben.

An der Heerstrasse zwischen Kobi und Zioni

Vom Kreuzpass zweigt ein Weg in die Trusoschlucht ab, die nur mit einem Allradfahrzeug befahrbar ist. Auch hier wechseln sich Mineralquellen mit Gletschern ab. In der Ferne ragt der Nordkaukasus auf, und einer seiner höchsten Gipfel, der Kazbeg (5047 Meter).

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterhalb des Kreuzpasses öffnet sich kurz hinter dem Dorf Arscha das Snotal in östlicher Richtung. Der Wanderer begegnet über Stunden nur ein paar Autos und vielleicht einem Einsiedler, der betend über die Blumenteppiche dieses paradiesischen Wiesengrundes wandelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Dorf Sno wird ein Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert restauriert. Eine Bruecke über den Dorfbach wird repariert, der während der letzten Unwetter zum reissenden Fluss angeschwollen war.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur wenige Tage nach unserem Ausflug ins Gebirge lasen wir in der örtlichen Presse Berichte über einen Besuch des othodoxen Patriarchen Ilja II. in Sno, um sich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. Sno ist der Geburtsort des Katholikos von Georgien.

Vom Abstecher nach Sno kehren wir zurück auf die Heerstrasse und fahren weiter in das auf 1797 m Hohe gelegene Kazbegi, das heutige Stepanzminda, also St. Stefan. Unser Hotel Stepantsminda liegt direkt an der Passstrasse, die wenige Kilometer weiter an der russischen Grenze auf

eine schier unüberwindbare Barriere trifft. In den 21 Zimmern des Hotels kann man bequem übernachten; hinter dem Hotel rauscht der Tergi-Fluss. Das abendliche Buffet (in den GEL90 für die Übernachtung für zwei Personen inbegriffen) war üppig und schmackhaft. Neben frischem Fladenbrot und hausgemachter Butter wurden Bergkäse, Gemüse, Kartoffel- und Blumenkohlsalat, gebratenes Huhn, Rinderragout und anderes angeboten, zum Frühstück neben Konfituere auch Räucherfisch (ähnlich Kieler Sprotten) Wurst und Eier. Obwohl wir die einzigen Nachtgäste waren, war die Vielfalt des Mahlzeitenangebots ungemindert. Das köstliche Kasbegibier wird allerdings im 155 km entfernten Tbilisi gebraut.

Hotel Buchungsdetails: 68 a, Uznadze str. Tbilisi. 0101; Fax (995 32 ) 294 21 52; Tel: (8 345) 5 21 71 (Stepantsminda); GSM: 899 18 22 96; e-mail: stepantsminda2010@yahoo.com, www.kazbegi.com, www.kazbegihotels.ge; www.facebook.com/hotel Stepantsminda

Einstige Bürgerpracht In Kazbegi, dem der hier geborene Adlige Alexander Kazbegi seinen Namen gegeben hat.

Aus den rückwaertigen Hotelzimmern geniesst man einen eindruckvollen Blick auf den Kazbeg. Auf dem Bett liegend, beobachtet man das Lichtspiel um den Gipfel, der plötzlich von Wolken freigegeben wird. Scherenschnittartig hebt sich das vorgelagerte Kloster Gergeti mit seiner Dreifaltigkeits-Kirche vom Abendhimmel ab. Der sagenhafte Prometheus allerdings hat die Bergwand seit langem verlassen, an die ihn Zeus einst ketten liess. Schon Tolstoi, Dumas, Hamsun, Puschkin und all die anderen Literaturgrössen, die hier waren, haben ihn nicht mehr zu sehen bekommen.

Der 5047 m hohe Katsbeg; davor der Wallfahrtsort Kloster Gergeti mit der Dreifaltigkeitskirche aus dem 14. Jahrhundert.

Vor dem nördlichen Ortsausgang von Kazbegi beginnt linkerhand der Weg zum Kloster Gergeti. Wer den mühsamen drei- bis vierstündigen Aufstieg vermeiden will, kann für GEL30 mit einem Allradtaxi fast bis vor die Kirchentür fahren. Die Steigung ist teilweise sehr steil.

Bilder der Klosteranlage (Die Klosteranlage wurde auf einem Plateau des Kwemi Ma errichtet, das dem Kasbeg auf 2170 m vorgelagert ist. Der Glockenturm wurde 100 Jahre später als die Kirche gebaut. Unten der Eingang zum Kirchhof.):

 

 

 

 

 

Diese Tour der Raabs macht doch richtig Lust einmal selbst nach Georgien zu fahren. Auf der Seite www.georgiano.de findet ihr erfahrene Guides für eine Tour durch den Kaukasus. Demnächst können solche Touren natürlich auch auf www.guiders.de gebucht werden.

Text und Bilder: Monika und Jochen Raab