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Auf dem Rheinsteig durch den Flaschenhals

Geführte Wanderung auf  dem Rheinsteig von Lorch nach Kaub

 

Ein Programmpunkt des Programmhefts  Gästeführungen 2011 „Dem Erbe auf der Spur – unterwegs am Mittelrhein“, der Welterbe – Gästeführer „Oberes Mittelrheintal“

 

Heute wollen wir uns einer geführten Wanderung anschließen, die über den Rheinsteig von Lorch nach Kaub führt. Gleichzeitig befindet sich diese Etappe im Gebiet des ehemaligen historischen „Freistaat Flaschenhals“. So entstand auch der Titel dieser Wanderung: „Auf dem Rheinsteig durch den Flaschenhals“.

Wir erscheinen pünktlich um 10:20 Uhr am Treffpunkt an der Wisperbrücke in Lorch und werden mit weiteren Gästen vom Gästeführer begrüßt, der uns kurz den Tagesablauf vorstellt. Neun Kilometer und ca. 280 Höhenmetern an Aufstiegen, seien heute zu bewältigen. Mit Pausen und Ausführungen des Gästeführers dauert die Wanderung ca. 4, 5 Stunden.

Bild: Historische Ansicht von Bacharach – Lithographie aus:

Caspar Scheuren, Landschaft, Sage, Geschichte und Monumentales der Rhein Provinz, Düsseldorf 1862

… als hätte ein Riese, der sich einen Trödlerladen am Rhein errichten wollte, ein Stück Gebirge als Regal benutzt …[Victor Hugo]

Kurz danach starten wir, innerorts leicht bergan, bis wir am Weiselberg in einen Hohlweg abzweigen, um dann den Aufstieg zur Turmruine „Nollig“ zu wagen. Alles halb so schlimm, sagt uns der Gästeführer, eine kleine Felspassage können wir bequem umgehen, gerade bei feuchtem Wetter könnte dieser Abschnitt etwas rutschig sein. Eine halbe Stunde nach unserem Start sind wir oben angelangt, an einem Rastplatz, unweit der Ruine Nollig, mit herrlichem Blick auf den Rhein und die Stadt Lorch.

Hier nutzt der Gästeführer die Verschnaufpause um seine Erläuterungen über Lorch vorzutragen. Von Kelten, Römern und Alemannen, die hier schon siedelten und von der über 900 – jährigen Geschichte der Stadt, die urkundlich 1085  erstmals als dauerhafte Ansiedlung erwähnt wurde. Von römischen und fränkischen Wachtürmen, von unterirdischen Gängen die zur Flucht und als Versteck dienten, von der Erbauung der Stadtmauer, von HartzIV im 18. Jahrhundert, sowie vom Handel über den Kaufmannsweg und die wirtschaftliche Blüte zur  Zeit der Blaufärber.

Nach ca. 10 Minuten gehen wir weiter. Breite Wirtschaftswege führen uns entlang der Weinberge weiter nach Norden, bis wir nach ca. 20 Minuten unter uns das Rheindörfchen Lorchhausen erkennen, einen kleinen Ort der eingemeindet der Stadt Lorch angeschlossen ist. Lorchhausen hat eine ähnliche geschichtliche Entwicklung wie Lorch und musste ebenfalls als nördlichste, rechtsrheinische Ansiedlung des Kurmainzer Territoriums stark befestigt werden.

Das Retzbachtal, in dem Lorchhausen eingebettet ist, umwandern wir, um dann nach ca. 20 Minuten auf der gegenüberliegenden Seite des Bachtals die Rheinfront wieder zu erreichen. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf das linksrheinische Bacharach, die heimliche Hauptstadt der Rheinromantik, mit den gut erhaltenen Resten der Stadtbefestigung und den Fachwerkhäusern im Ortskern. Unser Gästeführer vertröstet uns. Seine  Erläuterungen zu Bacharach würde er liebe ein paar Minuten weiter am Aussichtspunkt der Wirbellay geben, von dort sei der Blick noch herrlicher. Und er hatte recht. Der Aussichtspunkt verleitet uns mal wieder den Fotoapparat auszupacken und zu fotografieren. Die Pfalzgrafen, die auf der Burg Stahleck ihren  Sitz hatten, sorgten für reiche Einnahmen aus den Schifffahrtszöllen. Aber auch das Stapel-und Umschlagsrecht, der Weinhandel und das Münzrecht, brachten das kleine Städtchen im Mittelalter zur wirtschaftlichen Blüte. Beeindruckend, in filigraner Steinmetzkunst stehen die Reste der Wernerkapelle unterhalb der Burg Stahleck. Mit der Sprengung der Burg 1689 durch die Franzosen, zerstörten herabfallende Steine auch zum größten Teil die Wernerkapelle.

Breite Weinbergswege, alle ebenerdig, führen uns zu unserem nächsten Halt im Niedertal, ca. 40 Minuten nach unserem Aufbruch vom Aussichtpunkt „Wirbellay“ Der Rheinsteig hat uns etwas abseits des Rheines geführt, in bewaldetes Gebiet, zu dem fast wasserlosen Bachlauf des Niedertals, das die Grenze zwischen Hessen und Rhein – Land Pfalz bildet. Aber viel markanter diente dieser Bachlauf jahrhunderte lang als Grenze von Kurmainz zur Kurpfalz. Die Galgen des Hochgerichts beider Mächte standen unmittelbar gegenüber und grüßten sich grässlich.

Hier beginnen auch die Erläuterungen zum historischen Freistaat Flaschenhals, der kurioserweise durch einen Rechenfehler entstand. Als die Siegermächte nach dem ersten Weltkrieg das rechtsrheinische Gebiet in Besatzungszonen aufteilte, blieb versehentlich ein Teil unbesetzt, das auf der Landkarte die Form eines Flaschenhalses hatte. Dieses autonome Gebiet bestand von 1919 bis 1923 und betraf ca. 8000 Einwohner. Nicht nur die Gesetzgebung, sondern auch Geld und Pässe, hatten keine Gültigkeit mehr. Züge und Schiffe hielten nicht mehr, Straßen endeten kurzerhand an den Grenzen der besetzten Zonen. Zur Versorgung der Einwohner wurde der Schmuggel zur Hauptaktivität. Die 1994 gegründete Freistaat Flaschenhals Initiative erinnert heute mit vielen Aktivitäten an diese Zeit.

Wir verlassen das Niedertal über einen kurzen steilen Serpentinenpfad, unser letzter Anstieg für heute. Schon wenige Minuten später treffen wir auf eine Baumschneise, die einen herrlichen Blick auf Kaub freigibt. Unser Gästeführer erläutert die Geschichte von Kaub anhand der Burg Gutenfels, der Zollburg Pfalzgrafenstein und dem Schieferbergbau, der hier viele Jahrhunderte hochwertigen Schiefer hervorbrachte. Zuletzt darf natürlich nicht Blüchers Rheinübergang fehlen, ein Ereignis von fast weltpolitischem Ausmaß, welches den Untergang Napoleons bei der Schlacht von Waterloo 1815, nach sich zog.

Nur kurze Zeit später verlassen wir den Rheinsteig – Hauptweg um auf einem Zuweg nachca. 20 Minuten den Bahnhof in Kaub zu erreichen, unserem Etappenziel.

Unser Gästeführer hatte seine Ausführungen mit vielen historischen Bildern aufgewertet, was die ganze Wanderung aufgelockert und interessant gemacht hat. Wir verabschieden uns und nehmen die Erinnerung an einen schönen Tag mit nach Hause.

Tipp:

Ab Mitte Februar liegt das Jahresprogramm: „Gästeführungen 2011“, als gedruckte Broschüre „Dem Erbe auf der Spur – Unterwegs am Mittelrhein“ bei allen Touristinformationen im Welterbegebiet aus. Außerdem kann diese kostenlos im Loreley –Besucherzentrum, Auf der Loreley, 56346 St. Goarshausen, Tel 06771 – 59 90 93 angefordert werden. Für Internetnutzer steht das Jahresprogramm als PDF Datei zum Download unter:

www.gaestefuehrer-mittelrhein.de. zur Verfügung.

Das Jahresprogramm enthält über hundert Programmpunkte unterschiedlicher Schwerpunkte für Führungen im ganzen Welterbegebiet.

Viele interessante geführte Wanderungen und Wanderreisen findet ihr auch auf guiders.de.

Geführte Wanderungen auf dem Rheinsteig

Der Rheinsteig zählt wohl zu den eindrucksvollsten Wanderwegen der Welt. Der Rheinsteig folgt auf einer Länge von rund 320 Kilometern dem Mittelrhein auf der rechten Rheinseite. Im September 2005 wurde er eröffnet und durchquert auf der Strecke Koblenz-Rüdesheim das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die Einrichtung des neuen Wanderwegs ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen, um den Tourismus in den Regionen entlang des Rheines zu fördern. (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinsteig)

Dieser Wanderweg fällt in die Kategorie leicht und kann ganzjährig bewandert werden. Für alle diejenigen Wandersleute die gerne ein wenig mehr erfahren möchten. Etwa über Land und Leute, über Sehenswürdigkeiten, Flora und Fauna und vieles mehr. Die sollten sich einen Tourguide nehmen. Die ortskundigen Guides zeigen nämlich nicht nur den richtigen Weg, sondern verfügen auch über ein sehr umfangreiches Wissen. Sie erzählen die Geschichten und Legenden, die sich hinter den vielen Burgen und anderen Sehenswürdigkeiten verbergen.

Einen kleinen Ausschnitt verschiedener geführter Touren am Rhein haben wir euch hier zusammengestellt:

Bonntouren 2011

Auf den Seiten der Stadt Bonn (bonn-region.de) findet ihr ein Angebot geführter Touren für das Rheintal und das Siebengebirge. Gleichwohl dort in erster Linie Sightseeing Touren in und rund um Bonn angeboten werden, findet man auch geführte Wanderungen in das Naturschutzgebiet Siebengebirge.

Bonn Information, Abt. BonnTouren
Tel. 02 28 / 77 39 21
Fax 02 28 / 77 39 20
E-Mail: bonntouren@bonn.de

Rheinsteig – Schlemmertour „Rheinsteig-Rustikal und Deftig“

Die Winzer und Gastronomen aus der Loreleyregion haben sich mit den Gästeführern eine ganz spezielle Tour einfallen lassen. Der Wanderer erlebt auf einer geführten Tour die wunderschönen Landschaften des Welterbes Mittelrheintal. Außerdem kommt er in den Genuss des köstlichen Weins und vieler weiterer regionaler Erzeugnisse.

Touristikgemeinschaft Loreley-Burgenstraße
Tel. 06771/910-0/Kontakt per Email: info@rheinsteig-schlemmertour.de

Auf der Suche nach der Zolltruhe

Diese Familienfreundliche Tour bieten die Gästeführer Mittelrhein an. Auf dieser Tour werden viele kleine Rätsel gelöst und führen die Kids schließlich zu der Truhe:

„Ritter Friedrich von Schönburg ist eine Kiste voll mit Goldtalern gestohlen worden.
Mithilfe der kleinen Mauereidechse „Frieda“ werden Rätsel gelöst, die durch Hinweise zur historischen Stadtmauer, den alten Türmen und anderen Details auf die Spur des verschwundenen Schatzes führen.“

Tel. 067 44 – 81 02 / Kontakt per Email: Daniela.Ziermann@gaestefuehrer-mittelrhein.de

Rheingau auf dem Rheinsteig

Individuelle Führungen entlang des Rheinsteigs bietet die Gästebegleiterin Frau Schlimmermann an. Sie ist Mitglied im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V.  „Interesse an der Vergangenheit, Freude an der Gegenwart, Neugier auf die Zukunft“so lautet ihr Motto. Sie bietet keine festen Pakete an, sondern alle Touren können mit Ihr zusammen besprochen werden.

Gabriele Schlimmermann Tel: 06722 – 710 72 88 Kontakt per Email: schlimmermann@gaestebegleiter.de

Allgemeine Informationen zum Rheinsteig

Weiter geführte Wanderungen findet ihr auch auf  guiders.de in der Rubrik   Geführte Wanderungen“