Unser Guide des Monats: Dr. Andrea Hindrichs

Profilbild von Andrea HinrichsUnser Guide des Monats März ist Dr. Andrea Hindrichs. Sie ist promovierte Historikerin und lebt größenteils in Ihrer Wahlheimat Italien. Sie zeigt euch „Ihre“ Stadt und nimmt euch mit zu den verborgenen Ecken und Kuriositäten dieser einmaligen Metropole. Wir haben für unseren Blog ein Interview mit ihr geführt:

guiders: Wie bist du Guide in Rom geworden? Was fasziniert dich an der ewigen Stadt?

Andrea: Durch die Recherchen zu meiner Doktorarbeit habe ich Rom kennen gelernt und mich sofort in diese im wahrsten Sinne vielschichtige Stadt verliebt. Nach der Promotion habe ich dann unbedingt im Bereich Geschichte weiter arbeiten wollen, und da ich Erfahrung als Stadtführerin hatte – erst habe ich während des Studiums in Bonn die politischen Gäste des Bundestages betreut und ihnen die Sehenswürdigkeiten gezeigt, dann habe ich während meines zweijährigen Forschungsaufenthaltes in München die ausländischen Studierenden  der Universität durch die Stadt geführt – hatte ich die Idee, meine Interessen und Begabungen als etwas andere guida turistica in Rom einzusetzen. Zudem wühle ich mich gerne durch Quellen jeder Art und bringe meine Ergebnisse dann gerne auf amüsante Weise, aber immer faktisch richtig, an den Mann bzw. die Frau. Rom bietet sich bestens an – knapp 3.000 Jahre Geschichte  laden geradezu dazu ein, auf Entdeckungstour zu gehen. Und bei der Fülle an Sehenswürdigkeiten, seien es Monumente, seien es Ausgrabungen, seien es Museen und natürlich prachtvolle Kirchen, gehen mir die Ideen für neue Touren und den meisten Besuchern unbekannte Orte nie aus. Zufällig kommen bei Bauarbeiten Fundstücke zum Vorschein, da ein Fresko, dort eine Statue, dann die Überreste eines Heiligtums – und da ich auch zur Zunft der Speleologen gehören, grabe ich selbst mit bei diesen Projekten.

guiders: Was ist dir bei der Durchführung deiner Touren besonders wichtig?

Andrea: Ich möchte gerne meinen Kunden – seien es Kulturgenießer oder Studenten, Familien mit Kindern oder einfach interessierte Stadtbesucher – zeigen, wie unglaublich spannend Geschichte sein kann und wie viele Dinge schon mal da gewesen sind  – vom „einkaufen ‚alles unter einem Dach’“ bis hin zu Fahrverboten (das erste stammt von Caesar!) oder den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in der Antike!

Bei meine Touren rassele ich keine Zahlenkolonnen runter, sondern vermittle den Zuhörern die Zusammenhänge, gerne auch in Form von kleinen Geschichten und Anekdoten – mal lustig, mal spannend, mal abstrus, mal grausam: den alten Römern war nichts Menschliches fern. Ich benutze auch Anschauungsmaterial, um z. B. die Antike noch lebendiger werden zu lassen.

Zudem führe ich meine selbst konzipierten Touren – abseits der natürlich auch im Angebot befindlichen Führungen wie Antike, Vatikan und der zahlreichen Kirchen habe ich Specials erarbeitet. Da geht es zum Beispiel auf den Spuren Goethes durch Rom, oder wir erkunden, was an der Geschichte der Päpstin Johanna wahr und was erdichtet ist. Oder eines der antiken Stadtviertel wird im Laufe der Jahrtausende durchstreift – wer lebte hier wo und wann und was ist hier alles so passiert. Auch die „sprechenden Statuen“ von Rom sind eine solche Zeitreise. Für Kunstkrimiliebhaber geht es auf den Spuren von Bernini und Borromini durch das barocke Rom, um nur einige Ideen zu nennen.

guiders: Was darf man auf einer Reise nach Rom auf gar keinen Fall auslassen?

Andrea: Eine schwierige Frage, da jeder „sein“ Rombild mit sich herumträgt. Generell sollte man bei einem ersten Besuch das Forum Romanum und das Kolosseum sowie den Vatikan anschauen. Antike und Kirche sind eben die beherrschenden Themen. Aber zusätzlich gibt es unzählige Juwelen – da sollte jeder seine eigene Schwerpunkte setzen. Auf keinen Fall verpassen jedenfalls darf man das Pantheon, denn wer das Pantheon nicht gesehen hat, ist nicht in Rom gewesen, und „das schönste Wohnzimmer der Welt“ – die Piazza Navona sollte auch nicht fehlen. Ein abendlicher Bummel durch die wunderschöne Altstadt zwischen Trevibrunnen und Campo de’ Fiori gehören auch zu den musts.

guiders: Worüber freust du dich? Was sind die besonderen Momente auf deinen Touren?

Andrea: Ich freue mich, wenn ich meine Kunden mitreißen kann, sie entführen kann in eine andere Zeit, ihnen ein Gefühl davon vermitteln kann, wie sich das Leben vor 2.000 Jahren hier anfühlte oder wie die rege Bautätigkeit im Barock das komplette Stadtbild verändert hat. Ich möchte die Besucher neugierig machen, sie zum Schmunzeln bringen und wenn Kinder ihre Eltern fragen „Mama, wann kommt die Andrea morgen wieder?“ oder auch der wunderbare Kommentar aus Kindermund „aber Papa, das hat die Andrea doch schon erzählt!“. Kinder sind wunderbare Zuhörer, es macht riesigen Spaß, sie an Kunst und Geschichte herzuführen. Wenn dann auch die Erwachsenen auf ihre Kosten kommen, ist alles perfekt! Und Kunden, die zu genießen wissen, werden Rom mit vielen neuen Sinneseindrücken wieder verlassen – und dann wieder kommen! Denn: „Rom ohne Sie geht gar nicht!“ wie mir eine Stammkundin ins Gästebuch schrieb.

guiders: Was ärgert dich?

Andrea: Mich ärgert es, dass die Reiseanbieter in Deutschland nach wie vor die extrem volle Hochsaison wie März-April und besonders September-Oktober so stark bewerben, dass hier regelmäßig das Chaos ausbricht. Das ist weder für die Besucher noch für uns guides besonders angenehm. Dabei ist es in der ewigen Stadt sowohl im Februar, Juni als auch im November und Dezember wunderschön – die paar Grad Unterschied in den Temperaturen sind kein ernsthafter Grund, Rom nicht zu besuchen – im Gegenteil: in den Wintermonaten aus dem oft so grauen und tristen Deutschland in den Süden zu fahren, ist ideal! Oft sitze ich mit Besuchern noch im Dezember oder schon im Februar mittags in der Sonne und wir genießen die Sonnenstrahlen. Es lohnt sich, jenseits der Touristenmassen die ewigen Stadt zu besuchen – alles ist entspannter, man steht an den Museen nicht mehr Schlange, Kunstwerke können in Ruhe betrachtet werden, es schieben sich nicht Tausende hinterher – und die Zimmerpreise sind ebenfalls niedriger als in der Hochsaison. Ein Versuch lohnt sich!

guiders: Vielen Dank für das Interview

Wer nun Lust bekommen hat der ewigen Stadt mal einen Besuch abzustatten darf natürlich eine geführte Tour von Andrea nicht verpassen. Die spannenden Touren von Andrea findet ihr auf guiders.de. Oder Ihr klickt direkt auf den Badge (siehe unten) und gelangt zu Andreas Touren.

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