Das abenteuerliche Bolivien – Durch die Anden zum gößten Salzsee der Welt

Die Tür des Busses geht auf. Direkt merken wir, dass die Luft hier um einiges dünner und die Landschaft deutlich karger ist. Leichter Schwindel setzt ein. Hier stehen wir, an der argentinischen Grenze zu Bolivien, und starten unser Abenteuer Bolivien.

In den nächsten vier Tagen werden wir den Südwesten von Bolivien – tief in den Anden – entdecken. Bevor wir unsere Tour starten können, müssen wir erst einmal nach Bolivien eingelassen werden.

Und das kann dauern. Das erste Mal in Südamerika erleben wir am eigenen Leibe, dass die Uhren hier doch deutlich anders gehen. Bei heißen Temperaturen und spürbar weniger Sauerstoff in der Luft stehen wir zusammen mit einigen anderen Backpackern und vielen Einheimischen am Grenzschalter und warten, und warten und warten. Nach 2, 5 Stunden tut sich plötzlich etwas – und schon betreten wir bolivianischen Boden.

Schon auf dem Weg nach Tupiza – dem Start unserer Tour – bemerken wir die Unterschiede zu Argentinien. Die Dörfer wirken ärmer und nicht so entwickelt, die Landschaft ist allerdings schon hier imposant – weite Flusstäler mit grünen Feldern und Wiesen und im Hintergrund steile Bergwände.

Richtig los geht es am nächsten Morgen.

Mit unserem Fahrer Alfredo und unserer Privat-Köchin Madeleine starteten wir ins Hochland von Bolivien. Schon von Beginn an erleben wir auch die „menschliche“ Seite von Bolivien – die Menschen hier sind sehr freundlich und offen gegenüber Fremden und bringen eine angenehme Gelassenheit rüber.

Der erste Tag geht auch direkt ans Eingemachte.

350 Kilometer an einem Tag auf buckeligen Schotterpisten durch die Anden durch; rechts und links geht es teilweise spektakulär die Berge runter.

Und dann noch der krasse Höhenunterschied. Am ersten Tag von 3.000 auf 5.000 Meter! Symptome einer leichten Höhenkrankheit wie Schwindel und Kopfschmerzen können da schon einmal auftreten.

Bin ich froh, dass ich hier nicht fahren muss, sondern dass wir einen Top-Fahrer haben! Dieser hält sich mit gekauten Koka-Blättern wach – gefühlt verspeist er ein halbes Kilo pro Tag davon.

Aber die ganzen Strapazen lohnen sich – es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die Landschaft und die Natur hier zu genießen. Absolute Menschenleere, eine schier endlose Weite, ein blauer Himmel, als wäre er Photoshop optimiert worden und die pure Masse der Anden, die sich rechts und links von uns auftun.

Pure Freiheit!

Ständig kreuzen uns auf dem Weg Lamas, Alpacas, Vikunjas, Guanakos und Nandus (südamerikanischer Strauß. Selbst den Kondor konnten wir majestätisch über den Anden schwebend beobachtend.

Abends übernachten wir mit einigen extra Decken mitten im Nirgendwo – die absolut reine Luft und der fantastische Ausblick auf den klarer Sternenhimmel lassen den ersten Tag in den bolivianischen Anden perfekt abrunden.

Am zweiten Tag starten wir um 05:00 Uhr! Egal, wir haben uns mittlerweile an diese Abfahrtzeiten gewöhnt. Das heutige Ziel: Uyuni -das Eingangstour zur Salar de Uyuni – mit 10.000 km² der größte Salzsee der Welt (4x die Größe des Staates Luxemburg!!!).

Der Weg zum Salzsee wird wohl einer der skurillsten und einprägsamsten Fahrten auf meinen Reisen bleiben. Da nur einer aus unserer Gruppe Spanisch konnte, blieben wir restlichen Nicht-Spanisch-versierten aus den Gesprächen mit unserem Fahrer und unserer Köchin außen vor. Dafür konnten wir die atemberaubende Natur genießen. Ein perfekter Himmel, der sich wie gemalt in kleinen Seen widerspiegelt, in denen ganze Kolonien von Flamingos auf der Suche nach Futter waren. Musikalisch wurde das ganze begleitet von den ganz großen Dance Klassikern der 90er –

Snap, Dr. Alban und Haddaway (alles momentan richtig IN in Bolivien) aus der Anlage unseres Jeeps – was ein Erlebnis!

Nach einem langen Tag mit 350 km auf bolivianischen „Straßen“ vorbei an Lagunen, Geysiren und Vulkanlandschaften und einem guten Gefühl der Zufriedenheit tanken wir in dem matschigem und grauem Städtchen Uyuni Kraft für den morgigen Besuch der Salar de Uyuni.

Am nächsten Morgen erwartete uns die Salar de Uyuni. Er liegt im Südwesten Boliviens auf einer Höhe von 3.653 m und gehört zu den Landschaften des Altiplano. Mit gleißender Helligkeit am Tag und sehr kalten Nächten ähnelt er äußerlich einem sehr hart gefrorenen See. Die Salzmenge des Salar de Uyuni wird auf ungefähr 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Jährlich werden davon etwa 25.000 Tonnen abgebaut und in die Städte transportiert. Darüber hinaus gilt der See als eines der weltweit größten Lithiumvorkommen. Der See ist so gut wie frei von jeglicher Art von Lebewesen. Er ist Brutplatz einiger nur in Südamerika vorkommender Flamingo-Arten.

Unter uns etwa 20 cm Wasser, bewegten wir uns Richtung Salzhotel, welches rund 30-Autominuten im See liegt. Das gesamt Hotel ist aus Salzblöcken gebaut. Dort angekommen, wateten wir durch das doch recht kühle Wasser. Unter dem Wasser pures Salz. Durch die Verbindung des weißen Salzes, des absoulten klaren Wassers und des fast künstlich-blauen Himmels, spiegelt sich alles extrem an der Wasseroberfläche. Hier stehe ich nun – auf über 3.500 Meter in einem See aus purem Salz und nehme die Welt um mich herum auf wie ein Schwamm.

Auf dem Rückweg zu unserem Ausgangspunkt Tupiza kommen wir wieder an vielen Rohstoffminen vorbei. Nahezu alle Minen sind im Besitz von ausländischen Firmen, die die Rohstoffe gewinnen und diese direkt exportieren. Hier wirkt Bolivien nach wie vor wie eine Art „Kolonie“, wo alle Reichtümer von Fremden ausgebeutet werden und dem Land kaum etwas zur eigenen Entwwicklung übrig gelassen wird. Auf der anderen Seite wirken die Bolivianer sehr entspannt und anspruchslos und scheinen mit sich und ihrem Leben zufrieden zu sein. Alle diese Eindrücke (eines 3. Welt-Landes), gepaart mit den außergewöhnlichen Naturbildern und dem absoluten Gefühl der Freiheit und Abgeschiedenheit macht Bolivien für mich zu einem sehr spannenden, abwechslungsreichen und auch abenteuerlichen Reiseland.

Nur eines ist wichtig für Bolivien: Genügend Zeit und Geduld mitbringen, um das Land auch wirklich zu erleben!

Text und Fotos: Sven H.

Kontaktdaten des Touranbieters:

TUPIZA TOURS
http://www.tupizatours.com
info@tupizatours.com
Tel. 591-26943003