Was ist eigentlich dieses Canyoning!?

Viele haben sich sicher schon mal diese Frage gestellt, auch ich wusste bis vor 2 Jahren nicht was genau mich bei einer Canyoning-Tour erwartet. Im Vorfeld habe ich neben vielen positiven Berichten & Meinungen bezüglich dieses Naturevents auch von einigen schweren Unfällen gehört und gelesen, wollte mir aber endlich ein eigenes Bild darüber machen! Wie Ihr im weiteren Text lesen werdet, sollte auch ich beide Seiten kennenlernen…

Ich war zu meiner ersten Canyoning-Tour mit mehreren Freunden und Bekannten im Ötztal unterwegs, die meisten der 8-köpfigen Truppe hatten schon mal eine Einsteiger-Tour unternommen, für mich war es komplettes „Neuland“. Generell wurde ich im Vorfeld informiert, dass ich kletter- und wasserfestes Schuhwerk brauche und eine gehörige Portion „Mut“ mitbringen muss! Nach einer 30-minütigen Autofahrt und einem anschließenden 40-minütigen Aufstieg zum Startpunkt der „Schluchten“-Tour konnte dieses unvergesslichen Abenteuers endlich starten. Wir durften die nasskalten Neoprenanzüge anlegen (das erste Mal also frieren) und bekamen noch Gurt, Seil und Haken umgelegt. Wir waren übrigens Anfang Mai unterwegs, die Außertemperatur lag bei ca. 12 Grad, Wassertemperatur bei gefühlten 0!:)

Nach einer ausgiebigen Instruktion durch unseren Guide und umfangreicher Erklärungen im Umgang mit Seil, Haken, Sicherungen und Umgang mit Sprüngen ging es dann ans „Eingemachte“. Es hieß nun an der ersten Felswand entlang zu steigen. Unter uns eine tiefe Schlucht und wir sollten von in den Fels geschlagenen Stahlstufen mit Seil abgesichert an der Wand waagerecht entlang gehen. Es hieß also immer wieder „Umseilen“ und höchste Konzentration war gefragt. Mein Puls war direkt am Anschlag. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: meine lieben Kollegen hatten eine Tour für Fortgeschrittene gebucht und somit war diese eine der leichtesten Übungen, die mich heute erwarten sollte…gut, dass ich das jetzt auch informiert war!:)

Von Schritt zu Schritt wurde man aber zusehends sicherer und nach dem ersten Sprung aus ca. 4 Meter ins eiskalte Nass war die Anfangsnervosität auch überwunden. Von nun an hieß es immer wieder klettern, sich mit Seil und Haken sichern, von Felsvorsprüngen in kleine Wasserbecken springen, wieder aus dem Beckern klettern und sich so flussabwärts durch das Flussbett zu manövrieren. Höhepunkte waren das Abseilen von einem 15-20m Vorsprung, sowie das Rutschen zwischen abgerundeten Felsspalten und anschließender freier Fall (ohne Sicht!) in ein Wasserbecken. Sobald sich das Wasser im Neoprenanzug halbwegs aufgewärmt hatte, lief einem die 5 Grad kalte „Suppe“ wieder von oben rein.

Leider kam es auf der Tour zu einem kleinen Zwischenfall, den ich nicht verschweigen möchte: ein Kollege war nach zwei Stunden körperlich so entkräftet, dass er (auch aufgrund der kalten Wassertemperaturen) nicht mehr eigenständig aus einem Wasserbecken schwimmen konnte, da er vom Rücksog eines kleinen Wasserfalls immer wieder zurückgezogen wurde. Wir eilten direkt zur Hilfe und außer ein kleiner Schockmoment ist ihm nichts passiert…dennoch: ab diesem Zeitpunkt stand für mich fest: Canyoning ist eine Extremsportart und man muss sich jederzeit nicht nur auf den Guide und das Material (Seil, Haken etc.) verlassen können, sondern auch auf seine Teammitglieder! In Notfallsituationen muss man füreinander da sein und sich gegenseitig helfen und auch motivieren. Der Guide kann schließlich nicht an allen „Fronten“ präsent sein, sollte aber jederzeit der Gruppe ein Sicherheitsgefühl bieten und sie rechtzeitig auf Gefahrenstellen hinweisen.

Mein persönliches Fazit: ich kann Jedem nur empfehlen mal zumindest eine Einsteigertour zu buchen! Informiert Euch im Vorab über nachgewiesene Qualifikationen des Guides/Anbieters der Tour, schaut Euch z.B. auch Kundenbewertungen an und achtet auf Prüfsiegel z.B. vom letzten TÜV! Für mich bedeutet Canyoning nun vor allem Vertrauen, Überwindung und Teamwork! Daraus resultiert ein unvergessliches Abenteuer in freier Natur, was Jeder einmal erlebt haben sollte…

Bericht: Daniel Berndt

Viele spannende Canyoning Touren könnt ihr direkt unter www.guiders.de buchen. Schaut doch mal rein.