Canyoning Schlucht auf Mallorca

Canyoning auf Mallorca – Hinterm Ballermann gleich links…

Party, Palmen, Weiber, Bier und… ja, was hat Mallorca eigentlich sonst noch zu bieten? Für alle, die statt einer lähmenden Dröhnung nach echten Adrenalinkicks und unvergesslichen Erlebnissen suchen, kommt hier ein Bericht über die andere Seite Mallorcas: das „Canyoning & Adventure Camp“ der Allgäuer Canyoningprofis „Die Canyonauten“

Es braucht nicht viel, um auf Mallorca ein paar außergewöhnliche Tage zu erleben: lediglich ein wenig Ortskenntnis (oder einen Guide, der diese mitbringt), ein wenig Lebensfreude und eine klitzekleine Portion Mut. Zugegeben: einen Mietwagen braucht es dann auch noch, um im bergigen Norden der Insel voranzukommen – aber gehen wir chronologisch vor:

Tag 1: Canyon de Biniaraix

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, dachten wir uns und warfen um zwei Uhr morgens unsere Koffer ins Auto, das uns vom Allgäu zum Münchener Flughafen brachte. Richtig gedacht! Gegen Mittag hatten wir unsere Ferienwohnung bezogen, zwei Mietwagen organisiert und lecker gefrühstückt, also auf zum ersten Canyon! Der Biniaraix bleibt mir als schöner und besonders farbenfroher Canyon in Erinnerung, mehr aber leider auch nicht, da der spektakuläre Rest der Woche ihn fast vollständig verdrängt hat – eben doch ein wenig Ballermann-Feeling…

Bild eines Caynoning Teilnehmers im Canyon de Biniaraix
Der Farbenfrohe Canyon de Biniaraix

 

Tag 2: Canyon de Mortitx

Eigentlich hat im November die Regenzeit auf Mallorca bereits begonnen – 2013 leider noch nicht und so kämpfen wir uns mühsam durch abgestandene Pfützen hindurch, bis wir endlich für die Mühen belohnt werden: der letzte Pool des Mortitx (ein Mischwasserpool, da immer wieder Wellen aus dem Meer hineinschwappen) ist einfach ein hellblauer Traum – immer wieder springen wir hinein, tauchen in eine kleine Höhle und klettern durch einen engen Schacht wieder hinauf.

Hinaus aus dem Mortitx führt ein Klettersteig steil und ausgesetzt über die schroffen Klippen und unwirklichen Felsnadeln. Immer wieder geht der Blick zurück in die enge, tief eingeschnittene Schlucht. So hatten wir uns das vorgestellt!

Tourteilnehmer im Canyon de Mortitx
Türkises Wunder kurz vor dem Meer: der Mischwasserpool des Canyon de Mortitx
Tag 3: Cova Tancada

Am dritten Tag durchqueren wir fast die gesamte Insel, um an der Ostküste eine alte Piraten- und Schmugglerhöhle, die „Cova Tancada“ zu besichtigen. Die Höhle ist aufrecht begehbar und teilweise mit uralten Stufen und Wegen durchzogen, was uns allerdings keineswegs davon abhält einen eigenen Kriechgang mit zweitem Ausgang zu entdecken.

Die Höhle beeindruckt durch riesige Säulen und bizarre Formationen, vor allem aber durch ihre Lage direkt in der abweisenden Steilküste. Die Luft- vor allem aber auch die Wassertemperaturen sind immer noch sommerlich, also raus aus den Klamotten und auf geht’s zum Klippenspringen!

Bild der beeindruckende Säulenhallen in der Cova Tancada
beeindruckende Säulenhallen in der Cova Tancada
Tag 4: Gorg Blau y Sa Fosca und Torrente Pareis

Das Hauptziel unserer Reise: der vielfach als schönster Canyon Europas bezeichnete Sa Fosca. Wir beginnen am Stausee des Gorg Blau durch die gleichnamige Schlucht abwärts . Schon hier werden unsere Erwartungen übertroffen: die Schlucht ist tief eingeschnitten, wunderschön ausgewaschen und von außerirdischer Schönheit. Immer näher rücken die Schluchtwände aneinander. Bald dringen nur noch wenige Lichtstrahlen bis zum Boden. Schlußendlich schließen sich die Wände über unseren Köpfen und es beginnt Sa Fosca („die Dunkle“), ein vollständig unterirdisch abfließender Canyon. Im Schein der Stirnlampen springen wir von Pool zu Pool: Ja, das ist wirklich einmalig in Europa! Worte können dieses Canyoning Erlebnis nicht beschreiben, also spare ich mir jedes weitere…

Wir haben ein zweites Auto in der Sa Calobra Bucht geparkt: es geht also noch weiter bergab. Kurz nach den ersten Lichtstrahlen, die den Weg aus der Höhle weisen mündet Sa Fosca in den Torrente Pareis, in dem sämtliches Wasser wieder versickert. Nach etwa anderthalb Stunden Wanderung durch diese Trockenschlucht öffnen sich die Felswände ein weiteres Mal und geben den Blick auf das Meer frei. Dieser Tag war magisch!

Ein Mensch vor der Öffnung des Torrente Pareis zum Meer
DasTüpfelchen auf dem I: die Öffnung des Torrente Pareis zum Meer
Tag 5: Cova de Sa Campana

Für den heutigen Tag haben wir uns kompetente Unterstützung durch Patrick von „Mar y Roc“ geholt, der uns bis auf 178 Meter hinab in die Cova de Sa Campana führt. Diese Höhle ist ungemein viel größer als alles, was wir zuvor gesehen haben und protzt mit riesigen, reich geschmückten unterirdischen Sälen.  Die gesamte Kathedrale von Palma würde in einen dieser Säle hineinpassen, berichtet Patrick. Am Abend feiern wir unsere bisherige Woche mit einer Poolparty.

 

Menschen beim Abseilen zur Cova des Coloms
Abseilen zur Cova des Coloms
Tag 6: Cova des Coloms

Geplant war für den sechsten Tag eigentlich der Canyon de Na Mora – ein kleines Missgeschick am Parkplatz zwingt uns jedoch dazu umzuplanen und den Weg ins Hospital anzutreten. Es ist zwar nur eine Platzwunde, trotzdem wollen wir kein Risiko eingehen und beschließen den übrigen Tag etwas ruhiger anzugehen. Das Opfer des fiesen Heckklappenanschlages kuriert sich am Strand aus, während wir anderen zu einer weiteren Höhle, der Cova des Coloms schwimmen wollen. Nach kurzer Überlegung fällt die etwa 200 Meter lange Schwimmstrecke dann allerdings einer 30 Meter Abseilstrecke zum Opfer. Kopfüber in die Wellen abseilen – auch das kann man nicht alle Tage erleben… Am Eingang zur Höhle muss kurz abgetaucht werden, bevor man auf der anderen Seite wieder Luft holen kann. Obwohl wir bereits dachten, es ginge nicht mehr besser, ist dies das Highlight unserer Woche: wir schwimmen in kristallklarem, türkisfarbenem Wasser, während links, rechts, über und sogar unter uns die bizarrsten und absurdesten Felsformationen vorbeiziehen. Wir tauchen, wir springen von meterhohen Stalagmiten, wir sind in einer Traumwelt gelandet, die nichts mehr mit dem dort draußen zu tun hat… Überwältigt holen wir das zurückgelassene „Opfer“ nach: das darf nicht verpasst werden!

Tag 7: Canyon de Na Mora

Ein weiterer wunderschöner Canyon – längst ist das Auge verwöhnt und das Gehirn übersättigt mit den neuen Eindrücken. Trotzdem bleibt auch diese Schlucht mir als einer der schönsten Orte in Erinnerung, an denen ich bisher war… Wir feiern, indem wir den Holzofen unserer Ferienwohnung einheizen und Pizza backen.

Mann in der Die Schwimmhöhle Cova des Coloms
Die Schwimmhöhle Cova des Coloms
Tag 8: Gorges des Diners

Um die Neoprenanzüge vor dem Rückflug trocken zu kriegen, planen wir heute einen Trockencanyon. Der Diners besticht mit hohen und teilweisen engen Abseilpassagen. In einem Pool steht das Wasser, also wird ein „Freiwilliger“ vorausgeschickt, der eine Seilbahn aufbaut, damit wir übrigen trocken die andere Seite erreichen. Bald darauf ist es vorbei und wir trinken ein letztes Bier am Flughafen von Palma.

Die Straße von München ins Allgäu ist glatt und als ich zu Hause ankomme liegen drei Zentimeter Schnee vor unserem Hof…

Aktivsportler beim Canyoning auf Mallorca
Die Canyons auf Mallorca beeindrucken mit Farben und bizarren Gesteinsformationen

Der nächste Mallorca-Trip der Canyonauten findet vom 24.4.2014 bis 27.4.2014 (Osterferien) statt. Das nächste „Canyoning & Adventure Camp“ wird vom 27.10. – 1.11.2014 im Triglav-Nationalpark in Slowenien stattfinden