Watzmann – Überschreitung Hocheck – Mittelspitze – Südspitze

Die Watzmannüberschreitung gehört mit Sicherheit zu den großen Alpentouren, die man einfach erlebt haben muss. Mit einer Bergwanderung hat diese Tour nichts mehr zu tun. Ein Klettersteig ist sie mit Sicherheit auch nicht, dazu fehlt es an der durchgängigen Versicherung besonders heikler Stellen.

Einer Kletterei, wenn auch im unteren Schwierigkeitsbereich und besonders anspruchsvoll erst auf dem Abstieg, kommt sie am nächsten.

Egal wie man die Überschreitung sieht: sie ist eine harte Anforderung an die Kondition und teilweise auch an die Nerven. Wer es besonders hart möchte, macht sie in einem „Ritt“, das erfordert dann aber zügige 12 Stunden Gehdauer. Leicht masochistisch veranlagte Kletterer machen es wie wir 2001 und 2004: mit Aufstieg durch die Watzmann-Ostwand. Es gibt dann auch noch eine etwas „merkwürdige“ Zwischenversion, nämlich zwei Etappen: Wimbachbrücke – Watzmannhaus, Watzmannhaus – Wimbachbrücke, letztere Etappe etwas für Schmerzliebhaber 😉 Die haben wir 2009 mit Torsten Riemer praktiziert.

Wer aber diese zauberhafte Tour und die phantastische Landschaft so richtig  genießen will, der macht es wie wir vom 09. bis 11.08.2003 in drei Etappen.

Ausgangs- und Endpunkt:
Wimbachbrücke an der Verbindungsstraße Berchtesgaden – Ramsau.

Die Führe, unterlegt mit Fotos von unseren Touren:

1. Wimbachbrücke – Watzmannhaus

Vom Parkplatz über den Bach und dann auf  Weg 441 über die Mittelkaser Alm zum Watzmannhaus (1928m). Unsere beste Gehzeit 2 Std. 15 min (Achtung: kein Maßstab, denn hier waren mit Torsten Krüger und mir im August 2003 zwei ausgemachte Ausdauerläufer im besten Trainingszustand mit zügigem Schritt unterwegs. 
Die Zeit von 3 bis 4 Std. lt. Führer trifft wohl eher zu!) Übernachtung im Watzmannhaus. 
Der Aufstieg zum Watzmannhaus ist eine lange und auch beschwerliche Angelegenheit.

Ankunft am Watzmannhaus

2. Die Überschreitung – Hocheck – 

 Mittelspitze – Südspitze – Wimbachgrieshütte

Auf deutlich erkennbarem, unkomplizierten und markierten Steig vom Watzmannhaus zum ersten Gipfel, dem Hocheck (2651m) ca. 1 Std. 30 min
Von dort dann dem Grat, teilweise versichert, teilweise markiert, in regelmäßigem Auf und Ab zunächst zum Gipfel der Mittelspitze (2713 m) – ca. 50 min – dann weiter zur Südspitze (2712 m) – weitere ca. 1 Std. 50 min – folgend.
Von der Südspitze auf markiertem Steig teilweise durch Steilheit und Geröll brutal hart , am Ende durch ein bestialisch rutschiges steiles Bachbett ins Wimbachgries absteigen und, wenn man das endlich erreicht hat, in ca. 15 min zur Wimbachgrießhütte. (Abstiegsdauer bei uns: 3 Std. ) Dort die zweite Übernachtung.

Der Austieg zum Hocheck ist teilweise schon sehr ausgesetzt, hier zum Beispiel eine PAssage entlang der KAnte.

Aufstieg zum Hocheck

Mit dem Aufstieg zum Hocheck erreicht man den ersten Gipfel und den Begin des eigentliches Gipfelgrates. Teilweise ist dieser gut markierte Anstieg drahtseilversichert, bei Vereisung aber besonders im Gipfelbereich heikel.

Hocheck – Mittelspitze

Geht man vom Hocheck auf den Grat, geht es gleich richtig zu Sache. Der Weg zur Mittelspitze hat es in sich. Wer hier schon Probleme haben sollte, sollte unbedingt umkehren, denn die echten Problemstellen kommen erst noch.
Wer aber hier schnell mit den Gegebenheiten klar kommt und gut seinen Rhythmus findet, für den wird das flaue Gefühl im Magen schon nach wenigen Minuten zu einem alpinen Hochgenuss.

Dieses Bild vermag die Steilheit dieser Platte nur schwer zu vermitteln. Sie stellt aber tatsächlich auch kein Problem da – es sei denn, wie hier, sie iist vereist!

Mittelspitze – Südspitze

Die Etappe von der Mittel- zur Südspitze ist deutlich länger als der erste Abschnitt und stellt auch deutlich höhere Anforderungen. Es geht wiederholt steil auf und ab, es gibt mehr Kletterpassagen und teilweise auch sehr ausgesetzte Stellen.
Besonders beeindruckend ist auf diesem Abschnitt immer wieder der Blick auf den Königsee und die steilen Wandabbrüche der Watzmann-Ostwand.

Oft wird der Grat auch nicht direkt, sondern auf daneben liegenden Bämderm begangen – sowie hier auf der auch am Nachmittag noch vereisten Nordseite.

Abstieg ins Wimbachgries

Auf der Südspitze ist es aber noch nicht vorbei – man muss noch runter! Und der Abstieg in das Wimbachgries ist lang und hart …
Schon deswegen – und auch wegen der Kräfte, die man am Grat schon verpulvert hat, ist er nicht zu unterschätzen. Nicht umsonst kommt es hier immer wieder zu tödlichen Unfällen. Also Vorsicht und immer der klaren Markierung folgen!
Für mich persönlich war es immer schwer, hier auch noch ein Auge für die landschaftlichen Schönheiten zu haben!

Der Abstieg von der Südspitze beginnt – in eine völlig andere als gedachte Richtung, nach Osten. Erst viel später kommt der mit einem riesigen Pfeil gekennzeichnete Schwenk nach rechts, Süden.

3. Wimbachgrieshütte – Wimbachbrücke

In einer gemütlichen Wanderung durch das beeindruckende Wimbachgries, auf den letzten Metern unbedingt durch die zauberhafte Wimbachklamm, wieder zum Parkplatz absteigen. (2 Std., ca. 10 km)

Kann deutlich länger dauern und richtig weh tun, wenn man nach der Überschreitung gleich weiter geht. Nutzt also lieber die Hütte, die ist echt gemütlich und das Essen ist hervorragend.

Fazit
Eine herausregende Gratüberschreitung eines der schönsten Felsmassive der gesamten Alpen. Konditionsstarke und trittsichere Bergsteiger dürften hier keine Probleme haben und wenn man die Tour in drei Etappen geht, ist sie einfach nur ein Hochgenuss. Absolut empfehlenswert!

Das guiders-Team bedankt sich bei Aldo Bergmann für diesen großartigen Bericht. Teilweise stammen die Fotos auch von ©  Volker Roßberg

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Wem eine Tour auf den Watzmann ohne Guide zu heikel ist, der kann eine Tour mit Guide auf guiders.de buchen:

Watzmann, die große Gratüberschreitung http://www.guiders.de/tour/337

Mittelschwere, aber sehr lange Überschreitung des Watzmanngrats. Die drei Gipfel Hocheck 2651m, Mittelspitze 2713m, Südspitze 2712m bieten traumhafte Tiefblicke auf den Königssee, in die Watzmannostwand und hinunter ins…