Tipps für deine Alpenüberquerung

Bernd Zehetleitner, Leiter der Bergschule Oberallgäu. Foto: Bergschule OberallgäuBernd Zehetleitner ist Leiter der Bergschule Oberallgäu und schon seit vielen Jahren Guide für geführte Alpenüberquerungen. Im Interview mit guiders erzählt er von seinen bisherigen Erfahrungen und gibt Einsteigern ein paar nützliche Tipps für ihre erste Alpenüberquerung.


Was fasziniert dich persönlich an den Alpen bzw. einer Alpenüberquerung?

Die Alpen sind das höchste und längste Gebirge Europas. Eine Alpenüberquerung bedeutet täglich neue Landschaften, Panoramen und Gegensätze. Zum Beispiel ist man am Morgen noch im Hochgebirge auf über 3000 Meter und am Nachmittag unter Palmen in der südlichen Sonne von Meran.

Warum hast du dich entschlossen, Bergführer für Alpenüberquerungen zu werden?

Die Mischung aus Bergwandern, Kultur, netten Gruppen im Herzen der Alpen ist einer der vielen Beweggründe.

Seit wann bist du Guide für Alpenüberquerungen?

Ich persönlich seit 1997. Jedoch wurde die Alpenüberquerung vor über 35 Jahren von unserer Bergschule ausgearbeitet, erschlossen und ins Leben gerufen. Obwohl diese oftmals kopiert wurde, ist diese nach wie vor „nur“ bei uns original.

Welche Tipps kannst du Einsteigern für ihre erste Alpenüberquerung geben?

Wer es nicht gewöhnt ist, mehrere Tage mit Rucksack zu wandern, und auch nicht über die dementsprechende Erfahrung verfügt, sollte sich unbedingt einer geführten Tour anschließen. Da die Route durch das Hochgebirge bis über 3000 Meter führt, bedeutet das zum Beispiel einen Wettersturz mit winterlichen Temperaturen im Sommer. Ein erfahrener Bergführer vermittelt nicht nur einzigartige Erlebnisse, sondern auch Sicherheit.

Viele Einsteiger haben Angst, dass sie nicht fit genug sind. Woher weiß ich, ob ich eine Alpenüberquerung schaffen kann?

Diese Frage kann man nur ehrlich für sich selbst beantworten. Voraussetzung ist Gesundheit und eine gute Grundlagenausdauer. Natürlich sollte man vorher schon mal getestet haben, ob man einen längeren Aufstieg mit Rucksack gut schafft. Dies kann man nur durch Testtouren testen.

Wie schnell wird im Durchschnitt gegangen?

Wir gehen immer langsam und gleichmäßig. Für die meisten Gäste ist das Tempo anfangs zu langsam und dann sind sie froh.

Kann ich an einer Alpenüberquerung teilnehmen, wenn ich unter Höhenangst leide?

Das ist normalerweise kein Problem, da die gesamte Tour über ausgebaute Gebirgswege verläuft und man nicht „klettern“ muss. Allerdings ist es natürlich eine Frage, wie stark man sich die Höhenangst einbildet. Logischerweise geht es überall bergab…

Kommt es vor, dass Teilnehmer die Alpenüberquerung abbrechen? Wenn ja, was sind die Gründe für einen Abbruch?

Sowas ist zwar selten, jedoch kommt das immer mal wieder vor. In fast allen Fällen ist es Selbstüberschätzung beziehungsweise mangelnde Kondition.

Die Auswahl des richtigen Gepäcks ist ein weiteres Problem. Welche unnötigen Dinge haben Teilnehmer oft im Gepäck?

Viele Teilnehmer haben zu viel unnötige Bekleidung, Bücher, Essen beziehungsweise einen Föhn dabei. Viel wichtiger ist es dagegen funktionelle Bekleidung und Ausrüstung für Höhen bis 3000 Meter auf jeden Fall mitzunehmen.

Was sind die häufigsten Fragen, die dir vor oder während der Tour gestellt werden?

Ist es noch weit?

Gibt es Maßnahmen, um die Umwelt während der Alpenüberquerungen zu schützen?

Da gibt es viele. Zum Beispiel in Fahrgemeinschaften anreisen, bestehende Hütten und Quartiere nutzen und nicht zelten. Außerdem kann man Busse statt Taxis für notwendige Transfers nutzen, auf den Wegen bleiben und keine geschützten Blumen pflücken. Man sollte nichts zurück lassen außer seinen eigenen Spuren.

Weitere Tipps für eure Alpenüberquerung findet ihr auch in unserer FAQ zum Thema Alpenüberquerung.

Foto: Bergschule Oberallgäu

[ratings]