Marco´s Expedition auf den Aconcagua Teil 2

„Die Expedition wurde eine Expedition in meine eigene Persönlichkeit. Tiefer, bewegender, ehrlicher, als ich es mir hätte jemals träumen lassen.“

Expedition auf den AconcaguaIm zweiten und letzen Teil über Marcos Expedition berichten wir über bewegende Momente und eindrucksvolle Erfahrungen in den Bergen Argentiniens. Darüber hinaus möchten wir Marco für seine mutige Entscheidung Respekt zollen!

Abstieg, Abschied und Neubeginn – “der Aconcagua-Effekt”

Publiziert 25. Januar 2012 | Von marcoplass

11.01.2012: Basecamp 4200m Höhe. Abstieg zu Pampa de Lenas 1500Hm Abstieg, 8h30min.

Langsam öffne ich die Augen. Es ist gerade hell geworden. Kurz nach 0700 Uhr. Ich habe wenig Hunger. Koche Kaffee und bereite mir trotzdem mein Müsli zu. Etwas Energie ist wichtig. Ich habe hier oben stark abgenommen. Die Adern sind am Bauch sichtbar. Die Wangen eingefallen. Die Augen müde. Nachdem ich noch nicht beim Arzt war gehe ich nach dem Frühstück hin. Eine lange Schlange anderer Bergsteiger steht vor dem Arztgebäude. Kommerzielle Expeditionen. Ich warte. Endlich bin ich an der Reihe. O2-Sättigung liegt bei 93%, der Puls ist gut, Blutdruck sehr gut, Lungenfunktion ebenfalls. Laut Arzt bin ich top fit! Die Ärztin vermutet, dass ich zu wenig getrunken habe und mehr Zeit zum Akklimatisieren benötige. Mindestens 8!!! Liter Flüssigkeit ab 5000m Höhe.  Wie soll das gehen? Noch mehr Verwirrung steigt in mir auf. Die klare Entscheidung abzusteigen, die ich gerade getroffen habe beginnt zu bröckeln. Soll ich warten? Es in ein paar Tagen noch einmal versuchen? Mein Kopf sagt ja, mein Bauch, meine Intuition sträubt sich vehement dagegen. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt auf meine Intuition zu vertrauen. Ich schiebe meine Gedanken zur Seite. Treffe die Entscheidung zu gehen. Ich packe zusammen, gebe meinen Seesack bei Daniel Lopez auf, der den Mulitransport organisiert. 180US$ oneway. Dirks verbleibende Ausrüstung lasse ich ebenfalls bei Daniel Lopez, mit der mündlichen Nachricht, dass ich absteige.

Ich gehe los. Warte. Schaue zurück. Zögere. Wieder beginnen meine Gedanken. An die Vorbereitungen. An die Erwartungen meiner Freunde, Leser, Sponsoren. Mein Bauch sagt „geh weiter, es ist vorbei!“. Ich gehe weiter. Nach 20 Minuten bleibe ich wieder stehen. Schaue zurück und zögere.

Ich setzte mich auf einen Stein, schließe meine Augen und höre in mich hinein. Ich lasse mir Zeit. Gehe tief in mich. Stelle Fragen…und bekomme Antworten. Plötzlich ist alles ganz klar. Ich verstehe. Kann es kaum glauben. Die Erkenntnis fällt mir wie Schuppen von den Augen. Die Zwiespältigkeit meiner Empfindungen. Kopf und Bauch. Denken und Intuition. Linke und rechte Gehirnhälfte. Die plötzlich fehlende Motivation. Körperliche Signale. Ich verstehe alles! Ein Lächeln kommt auf meine Lippen. Eine tiefe Dankbarkeit in meiner Brust. Ich verstehe! Alles!
Durch die in den letzten 12 Jahren aufgebaute Lebenseinstellung, habe ich wieder eine Expedition geplant und in Angriff genommen. Vision, Ziel, Motivation, Tun. Es war normal für mich. Mein Leben. Ich begann mit der Planung, dem Training, der Organisation. Wie immer. Dieser „Aktionismus“, die Gewohnheit,  machte mich in einer Art und Weise blind. Blind für meine inneren Werte. Was mir Jahrelang das Wichtigste im Leben war, Abenteuer und Freiheit, setzte ich auch hier voraus. Es war für mich ja normal, zur Gewohnheit geworden. Meine Identität! Doch ich habe mich in den letzten Jahren, besonders in den letzten Monaten, verändert. – unmerklich, schleichend. Mein Freund Manfred Frank kommt mir in den Sinn. Er hat viel in mir in Bewegung gesetzt. Durch das Tun habe ich mir Scheuklappen aufgesetzt. Nicht nach rechts und links geschaut, durch die Gewohnheit nichts in Frage gestellt. Je näher ich dem Ziel, dem Berg kam, desto langsamer wurde ich. – unmerklich. Erst in meiner jetzigen Reflektion erkennbar. Die Zeichen waren da. Ich habe sie nicht wahrgenommen. Schließlich war es nicht mehr zu ignorieren. Extreme Situationen bedingen extremen Einsatz. Und der extreme Einsatz wiederum eine außergewöhnlich starke, bedingungslose Motivation. Diese wiederum lässt sich nur aufbringen, wenn man voll hinter seiner Sache steht. Und wann stehe ich voll hinter einer Sache? Nur dann, wenn meine Werte, meine innere, ganz tiefe Überzeugung, dieser Sache entsprechen. Werte sind unsere eigentlichen, tiefsten, stärksten Motivatoren. Unser Antrieb. Unbewusst und doch extrem stark. Elementar für all unser Handeln. Wie unglaublich wichtig es ist, dass wir uns unserer Werte wirklich bewusst sind, wird mir erst jetzt in seiner ganzen Tragweite klar.

Ich fasse den Entschluss, ein Seminar “Expedition-Persönlichkeit – Der Aconcagua-Effekt” anzubieten, wo genau das der Schwerpunkt ist.

Ich setzte meine „alten“ Werte einfach als gegeben voraus. Handelte danach. Stellte nichts in Frage. Erst durch die Zeit, die ich plötzlich im Basislager hatte, schlich sich etwas in mir ein. Eine Erkenntnis, die ich erst nicht wahrnehmen wollte. Die ausbleibende Motivation. Die Vorfreude auf meine Arbeit Zuhause, auf liebe Menschen Zuhause. Unbekannt. Fremd. Neu und schön. Ich nehme Abschied.

Meine Werte haben sich im Laufe der Zeit geändert. Ohne dieses extreme Erlebnis, wäre ich meine alten Werten wahrscheinlich noch lange treu geblieben, hätte mein Leben so weitergeführt wie gewohnt. Wäre irgendwann unzufrieden geworden, oder schlimmeres. Durch diese Erkenntnis, kann ich nun bewusst verstehen und annehmen. Ich habe Freiheit und Abenteuer nun gegen Liebe, Familie und Job getauscht.
Ich nenne diesen Prozess der Erkenntnis den „Aconcagua-Effekt“.
Ich setze meinen Rucksack auf und gehe los. Ich drehe mich nicht mehr um. So gehe ich Kilometer um Kilometer. Stunde um Stunde. Meinem neun Leben entgegen. Ich nehme Abschied von einem Lebensabschnitt, der mich hat wachsen lassen. Einem Lebensabschnitt, der mir die Welt gezeigt hat, viele Kulturen, Lebenseinstellungen, Wilde teile der Welt, wilde Teile in mir. Freude und auch Leid. Lachen und Weinen. Der mir Freunde in aller Welt geschenkt hat. Der mir den Grund für den nächsten Lebensabschnitt geebnet hat. Ich nehme Abschied und gehe etwas Neuem entgegen. Einer spannenden Zukunft. Ich fühle mich mit jedem Schritt befreiter. Motivierter. Stärker. Freier. Die Expedition Persönlichkeit hat einen anderen Ausgang genommen als erwartet.

Blasen sammeln sich an meinen Füßen. An beiden Fußsohlen. An den Fersen und an den Seiten. Ich gehe weiter. Blutunterlaufen. Schmerzen. Bei jedem Schritt. Ich gehe weiter. Brauche keine Pause. Die Füße schmerzen stärker. Ich spreche mein Mantra. Ich habe es nun meinen neuen Werten entsprechend, leicht verändert. Angepasst. Es ist schon spät. Bei Pampa de Lenas mache ich Pause. Gute 30 Km, 9h und über 1500Hm Abstieg liegen hinter mit. Durch die Blasen an den Füßen bin ich nur langsam vorangekommen. Morgen noch weitere 14 Kilometer, dann bin ich wieder bin der Zivilisation. In meinem neuen Leben.
Ich erinnere mich an einen Ausdruck, der mir mehr als passend erscheint: „per aspera ad astra“, was soviel bedeutet wie: „auf steinigen Wegen zu den Sternen“.

Die Expedition wurde eine Expedition in meine eigene Persönlichkeit. Tiefer, bewegender, ehrlicher, als ich es mir hätte jemals träumen lassen.

Zum Ende dieser Zeilen möchte ich meinen ganz besonderen Dank an ein paar ganz besondere Menschen zum Ausdruck bringen:
Meine Mutter, die mich in all meinem Tun immer aus ganzen Kräften unterstützt hat.
Meinen Großeltern, die mir auch in schweren Zeiten einen Ort der Sicherheit und Geborgenheit gegeben haben.
Meinen „Zieheltern“ Sissi und Werner, für Ihre Wärme, ihr offenes Ohr und ihr Vorbild einer glücklichen Ehe.
Meinem Freund und Trainerkollegen Thomas Pelzl, der mir die Chance und das Vertrauen gegeben hat, mich im Trainingsbereich zu entwickeln. Und sich um die Blogeinträge während der Expedition gekümmert hat.
Meinem Freund Manfred Frank, der wohl den entscheidenden Stein ins Rollen gebracht hat.
Meinem Freund Juan, der mich so herzlich in Mendoza in seine Familie aufgenommen hat.
Meinem Expeditions-Partner Dirk, der mir mit seiner stets guten Laune und Zuversicht viel gegeben hat. Ich kann mir keinen besseren Partner vorstellen.
Alexander Gleisberg, der mir die Welt des NLP auf eine wunderbare Weise nähergebracht hat und damit einen Grundstein gelegt hat.
An all die anderen Freund, Unterstützer, Sponsoren und Menschen, die mich auf meinem Weg nach Argentinien begleitet haben und an mich gedacht haben.

Austieg zu Camp 2…Scheitern…

Publiziert 24. Januar 2012 | Von marcoplass

10.01.2012, Aufstieg vom Basecamp 4200m Höhe auf Camp 2 5800m Höhe.
Mir geht es gut. Keine Kopfschmerzen in der Nacht. Durchschlafen. Kräfte sammeln. Nach dem Frühstück aus Kaffee, Müsli, Milch- und Eiweißpulver packe ich meinen Schlafsack zusammen, rolle meine Neoair Matte von Thermarest zusammen, schlüpfe in die Innenschuhe meiner Bergstiefel, schließlich in die Überschuhe, schnüre sie fest und gehe los. Ich bin gut drauf. Gehe in einem langsamen, der Höhe angepasstes Tempo. Nach zwei Stunden stehe ich vor Dirk. Ich bin ausgepowert. Ganz plötzlich. Atme schwer. Friere. Habe Durst. Etwas Warmes zu trinken wäre jetzt schön. Der Benzinkocher ist leer. Der Gaskocher in Camp 2. Kurz hinlegen, rasten. Augen schließen. Erholen. Am liebsten im Schutz des Zeltes. Doch Dirk hat es bereits abgebaut, um schneller starten zu können. Ich kann ihn verstehen. Immerhin hat er einen ganzen Tag auf mich gewartet. Ich sitze also auf einem Stein, lehne an meinem schweren Rucksack. Der Wind bläst stärker als gestern. Dirk hat über 80Km/h gemessen. Durch den Windchill ist es kalt. Trotz Daunenjacke friere ich. Mein Puls rast. Genau wie meine Atmung. Obwohl ich bereits 45 Minuten hier raste. Ich fühle mich schwach. Bin mir unsicher, ob ich den weiteren Aufstieg schaffe. Dirk motiviert mich. Er spürt meine Erschöpfung. Er scheint ebenso betroffen zu sein wie ich. Ein guter, mitfühlender Partner. Ich mag Ihn sehr. Ich spüre seine Power und Lust aufzusteigen. „Noch etwas Zeit, Dirk, dann gehen wir.“ Sage ich halbherzig. Tief im Inneren spüre, ja weiß ich, dass es für mich besser wäre, noch einen Tag hier zu rasten. Doch Dirks ansteckende Freude für den Aufstieg und die Tatsache, dass unser Kocher nicht funktioniert, veranlassen mich dazu, meine Empfindungen zurückzudrängen. Ich handle wider meiner Intuition. Wir gehen los. Noch immer atme ich schnell. Ich hatte 1h30min. Pause gemacht. Starker Wind schlägt mir ins Gesicht. Aufstieg in eisige Höhen. Gegen den Sturm. Langsamen Schrittes gehe ich los. Dirk kommt etwas später nach. Nach einer Stunde hat er mich eingeholt. Er musste nochmal zurück, da der Sturm ihm einen Handschuh weggerissen hatte. Ich atme schnell. Muss öfter stehen bleiben. In den Standpausen finde ich keine Erholung. Ich gehe weiter. Der Wind zerrt an mir, stößt mich herum. Hinter einem Felsen vermute ich Windschutz. Nein. Die Schneeverwehungen am Boden hätten es mir verraten müssen. Hier gibt es keinen Schutz. Mir ist kalt. Sehr sogar. Ich bitte Dirk meine Handschuhe zu halten. Der Wind ist unerbittlich. Zerren und Reißen. Ich packe meine GoreTex Überhosen aus und ziehe sie umständlich über. Geschafft. Ich atme schwer. Die Aktion hat mich unglaublich Energie gekostet. Handschuhe an. Weiter. Dirk steigt voraus. 5350m Höhe. Ich fühle mich schwach. Ich fotografiere nicht. Ganz im Gegensatz zu sonst.  Konzentriere mich auf mein Mantra. Keine Chance. Keine Energie dazu. Was ist hier los? Gedanken kommen…sind wieder weg. Zu schwach. Ich gehe weiter. Dirk trägt heute das Zelt den Berg hoch. Das wäre eigentlich meine Aufgabe heute gewesen. Er hat es kommentarlos genommen. Dafür danke ich ihm insgeheim jetzt gerade. Alles zusätzliche Gewicht ist zu viel. Taube Finger. Ich ziehe die dicken Expeditionshandschuhe von Marmot drüber. Tut das gut. Langsam kommt wieder Leben in meine Finger. Schließlich Pause auf 5555m Höhe. Ich setze mich. Öffne meinen Rucksack, hole die Trinkflasche heraus. Das Wasser ist eiskalt. Bei dieser Aktion fällt mein Trinkbecher aus dem Rucksack und wird von dem Sturm den Hang runtergeblasen. Dirk und ich sehen ihm ungläubig nach. „Lass ihn liegen…ich schaffe es nicht ihn zu holen.“ Sage ich zu Dirk. Ich atme schwer. Keine Erholung. Müdigkeit. Schwäche. Appetitlosigkeit. Leichter Druck im Kopf…“ich hole den. Woraus sollst du denn heute Abend trinken?“ Dirk geht los. Ich vermute, dass er mir noch etwas Pause verschaffen wollte. Ich sollte mein Gesicht wahren dürfen. Er wusste, dass ich auch aus dem Becher an meiner Thermoskanne hätte trinken können. Was ein Mensch. „Danke“, denke ich. Ich atme immer noch schwer. Keine Erholung. Selbst nach 20 Minuten Rast. Dirk kommt zurück. Ruhig atmend. Erholt. Fit. Meine Gedanken rasen. Was ist mit mir los? Schaffe ich es hoch? Was ist wenn ich oben bin? Komme ich wieder runter? Ich spreche es offen an. Dirk schaut besorgt. Mir fehlt die Erfahrung. Ich habe keine Referenzerlebnisse um die Situation objektiv einschätzen zu können. Vielleicht ist mein Zustand normal und Dirk ist eine Ausnahme? Ich frage ihn nach seiner Meinung. Hier hat Dirk die meiste Erfahrung von uns beiden. Er war bereits vor 3 Jahren hier oben. Die Antwort ist ernüchternd und befreiend zugleich. „Nein, kurz unter dem Gipfel wäre das ok, aber hier sollte das nicht so sein!“ Ich denke an meine Ausrüstung, die bereits im oberen Lager auf mich wartet. Spreche auch da mit Dirk drüber. „Ich gehe noch bis hoch, hole meine Eisgeräte und weitere Kletterausrüstung. Danach steige ich sofort ab.“ Sage ich zu Dirk. „Wenn gehe gleich zurück! Ich versuche Deine Sachen mit runter zu bringen!“  Ich denke kurz darüber nach. Willige dankbar ein. Gedanken blitzen in meinem Kopf auf. Nur kurze Sequenzen. Du bist schwach. Du gibst auf. Ist das wirklich die richtige Entscheidung? Gewissenskonflikt. Auch weil schwerer Sturm herrscht. Im Camp 2 wird er noch stärker sein. Windfahnen über uns. Schnee wirbelt durch die dünne Luft. Dirk wird das Zelt alleine im Sturm aufbauen müssen. Schafft er das? Vom patagonischen Inlandeis weiß ich, wie heikel das ist. Vor drei Jahre war ich dort auf Expedition bei sehr extremen Wetterbedingungen. Weihnachten verbrachte ich im Zelt. Gefangen vom Sturm. Wenn er das Zelt nicht an seinem Körper sichert, kann es wegfliegen. Das kann lebensbedrohlich sein. Zum Glück haben wir noch zwei Freunde oben. Die werden helfen.
Wir verabschieden uns. Ich steige ab. Blicke nicht zurück. Ich habe versagt, bin gescheitert. Die Expedition nimmt ein früheres Ende als erwartet… Das ganze Training. Der Schweiß. Die Überwindungen. Die 60.000 Trainingshöhenmeter. Bei Wind und Wetter. Meine finanziellen  Investitionen. Die Erwartungen der Sponsoren. Die Erwartungen meiner Freunde und Familie. Ich bin gescheitert. Zu schwach.
Innerlich weiß ich, dass die Expedition für mich vorüber ist. Ich bin gescheitert!
Je weiter ich mit wackligen Knien und Übelkeit absteige, desto  mehr Erleichterung spüre ich. Sind meine Empfindungen richtig? Sind es die Empfindungen eines Feiglings? Ich habe Enttäuscht. Mich. Meine Freunde. Alle.
Im Camp 1 hinterlasse ich bei dem englischen Bergsteiger, der mir vorhin im Camp 1 bereits Diamox, – ein Medikament gegen Höhenkrankheit, angeboten hat, als er meinen Zustand sah und mich besorgt ansah, als er erfuhr, dass wir weiter hoch wollten, eine Nachricht für Dirk. Ich steige weiter ab. Will nicht im Camp 1 bleiben. Oben habe ich Dirk bereits mitgeteilt, dass ich wahrscheinlich direkt nach Mendoza gehe. „Wenn ich jetzt absteige, komme ich nicht mehr hier hoch. Dann ist es für mich vorbei. Ich werde wahrscheinlich direkt nach Mendoza gehen. Viel Glück mein Freund und pass auf Dich auf. Wir sehen uns in der großen Stadt!“ Der Engländer willigt ein meine Nachricht auszurichten. Er schaut mich besorgt an. Fragt nach den Symptomen. Nach einer Weile sagt er leise „smart decision!“
Ich halte unterwegs oft an. Muss atmen. Muss rasten. Erfahre keine Erholung. So schwer ist mir noch nie ein Abstieg gefallen. Meine Beine scheinen kraftlos. Meine Gedanken kreisen. Ich habe versagt. Ich fühle mich erleichtert. Verstehe meine Gefühle nicht. Zwiespalt in meinem Inneren.
Kurz vor dem Basislager treffe ich auf zwei Engländer. Sie kommen vom Camp 2. Nach 6 Tagen im Sturm. Ebenfalls aufgegeben. Wir reden kurz. Ich bekomme die Antwort „smart decision!“
Am Zelt angekommen habe ich das Gefühl mich übergeben zu müssen. Ich behalte alles drin. Werfe den Rucksack kraftlos von den Schultern. Trinke. Öffne das Zelt. Schlafe. Ich wache auf. Kein Appetit. Kein Hunger. Kein Durst. Ich fühle mich müde.  Erschöpft. Verloren. Elend.

Morgen ist alles vorbei. Ich steige ab. Der erste klare Gedanke kommt langsam wieder in meinen Kopf. Fragen gesellen sich dazu. Warum? Wo ist die Motivation? Die Motivation zu warten, ein paar Tage. Dann ein zweiter Versuch. Stärke beweisen. Kämpfen. Den Gipfel erreichen.
Mir schießt es in den Kopf: „unwichtig! Es ist einfach unwichtig! Geh heim! Vergiss den Gipfel!“
Ich schlafe wieder ein. Wirre Träume und unruhiger Schlaf in dieser Nacht…

O2: 88%
Hf: 87 S/M im Basecamp kurz vor dem Einschlafen

Abstieg ins Basecamp…mit weichen Knieen im Sturm über Eis und Geröll

Publiziert 23. Januar 2012 | Von marcoplass

09.01.2012: Abstieg von Camp 1 ins Basislager, 4200m Höhe, 1h20min, 773Hm Abstieg.
Nachdem es hell geworden ist und Dirk aufgewacht ist, teile ich ihm meine Entscheidung und meine Gründe dafür mit für einen Tag abzusteigen. Eigentlich wollten wir heute umziehen. Auf 5800m Höhe, ins Camp 2. Dirk versteht mich. Er wartet hier oben einen Tag auf mich. Morgen in der Früh werde ich wieder aufsteigen und dann werden wir nach einer Pause weiter ins Camp 2 gehen.
Ohne Frühstück, das besteht täglich aus Kaffee, Müsli mit Milch- und Eiweißpulver (545Kcal.), steige ich ab. Ich habe keinen Hunger, geschweige denn Appetit. Das ist ungewöhnlich für mich. Mit weichen Knien gehe ich los. Die Sturmböen machen meinen Gang auf dem Geröll noch unsicherer. Ich habe ein flaues Gefühl im Magen. Muss ich mich übergeben?
Nach einer Stunde und zwanzig Minuten komme ich im Basecamp an. Ich habe länger gebraucht als sonst. Ich fühle mich elend. Unten angekommen lege ich mich ins Zelt. Es hat dem Sturm standgehalten. Sicher war ich mir nicht. Als die Sonne stärker wird, wird es unerträglich warm im Zelt. Ich muss raus. Dort weht starker Wind. Die Kopfschmerzen verschwinden langsam. Soll ich zum Arzt gehen? Später, zu viel Betrieb gerade. Ich koche etwas Wasser und esse mein Frühstück. Diesmal erst gegen Mittag. Langsam kommt der Appetit wieder. Ja, ich habe Hunger. Trinken fällt mir heute schwer. Ich gehe zu Daniel Lopez Expeditions ins Basislagerzelt, setze mich auf einen Stuhl. Geschützt vor Sonne und Wind lese ich in Manfreds Buch. Bald habe ich es durch. Wieder kommen mir Gedanken in den Kopf. Zweifel. Ängste? Wofür mache ich das? Was sind meine Beweggründe auf den Gipfel zu gehen? Ich kann die Fragen aktuell nicht beantworten. Ich weiß, was meine Bewegründe waren. Aber was sie gerade sind, kann ich nicht sagen. Meine Stimmung ist am Tiefpunkt angelangt. Ich kann mich nicht motivieren. Weshalb gelingt es mir nicht? Ich kenne genug Techniken aus dem NLP. Was ist mit mir los? Bin ich ein Versager? Ein Feigling? Nein, bestimmt nicht. Ich habe genug Referenzerlebnisse um vom Gegenteil überzeugt zu sein. Also, was ist mit mir los? Was stimmt nicht? Ich denke an meinen Partner Dirk. Ein Lächeln erscheint auf meinen Lippen. Dirk ist motiviert, gut drauf und strotzt vor Energie. Ich sollte ihn fragen, was ihn antreibt. Ihm Energie gibt. Was kann ich von ihm lernen, das mir in meiner Lage hilft. Schließlich geht es in der „Expedition Persönlichkeit“ um das Erreichen von Zielen und das Aufbringen eben der Motivation, die nötig ist, um diese Ziele zu erreichen. Und ich kann mich selbst nicht motivieren. Meine Gedanken drehen sich. Ich stelle Fragen und bekomme keine passende Antwort.

Die Wolken werden dichter, die Sonnenstrahlen verlieren an Kraft. In meinem Zelt wird es kühler. Ich lege mich nochmal hin. Versuche zu schlafen. Gedanken kreisen in meinem Kopf…Schluss jetzt! Ich schlafe ein…Zwei Stunden später wache ich wieder auf. Ich gehe zu Daniel Lopez, besorge mir einen Kugelschreiber und arbeite ein Teamtraining, Schwerpunkt Kommunikation aus. Das tut mir gut. Ich bin motiviert, die Arbeit macht mir Spaß. Stunden später bin ich fertig. Müde und befriedigt. Ich habe Hunger. Zurück am Zelt werfe ich den Kocher an. Der Koch ist wieder Lyofood. Diesmal gibt es Schweinelende in Dillsauce. Lyo, Du hast wieder einmal meine Erwartungen übertroffen. Zum Nachtisch gibt es heute Milchreich in Vanillepudding. Warmes Wasser als Teeersatz, da unsere Teevorräte in den Hochlagern sind.
Nach dem essen und getaner Arbeit schlafe ich glücklich und zufrieden ein. Morgen geht es wieder hoch auf den Berg…das Wetter soll besser werden. Der 11. Und 12. Januar könnten die idealen Gipfeltage werden. Sturm ist nur noch für morgen angesagt.  Mit Bonos Stimme im Ohr schlafe ich ein. Ich schlafe die Nacht durch. Tut das gut…

O2: 85%
Hf: 78 S/M

Tag 9: Aufstieg ins Hochlager 2 auf 5800 m Höhe…wieder Kopfschmerzen

Publiziert 22. Januar 2012 | Von marcoplass

08.01.2012: Materialtransport zu Camp 2, 5800m Höhe, 3h40min, 872Hm.
Nach dem Aufstehen stellen wir fest, dass das Wasser fast bis zum Zelteingang gekommen ist. Noch ist es kaltes, gefrorenes Eis. Sobald die Sonne ihre Kraft wieder entfaltet wird aus dem Eis wieder Wasser. Und das wird unweigerlich in unser Zelt fließen. Also lösen wir die Heringe aus dem Boden und nehmen die Sturmabspannungen von den Felsblöcken. Wir lassen alles andere im Zelt. Lediglich unsere Rucksäcke nehmen wir raus. Dirk nimmt das Zelt hinten, ich packe vorne an. Gemeinsam tragen wir es über einen kleinen Geröllhang zu einem neuen Platz. Dirk hat ihn entdeckt. Perfekt gelegen. Direkt hinter einem riesigen Felsbrocken. Der dient uns als mächtiger Windschutz und leistet bei den Sturmböen gute und willkommene Arbeit.

Letzte Nacht sind die Böen über das Zelt gefegt, als ob ein Güterzug Kurs auf unsere Behausung genommen hätte. Durch die Kopfschmerzen habe ich nur wenig Schlaf gefunden. Das laute Zerren und Reißen an den Zeltwänden hat sein Übriges dazu getan…
Wir packen unsere Ausrüstung für das Hochlager zusammen. Essen für 4 Tage, Kletterausrüstung, unseren Gaskocher mit drei Gaskartuschen. Es geht los. Noch langsamer als sonst setzten wir uns in Bewegung. Die Bewegung tut mir gut. Die Kopfschmerzen verschwinden langsam. Trotz unseres langsamen Ganges überholen wir wieder jeden, der vor uns geht. Das lange Training, die mehr als 60.000Hm im letzten Jahr scheinen sich bezahlt zu machen. Der Wind wird stärker. Kein Windschutz um eine Pause zu machen. Wir kauern uns hinter eine Kuppe am Hang auf 5400 m Höhe.

Dort bläst es zumindest etwas weniger. Unser Mittagessen besteht aus heißem Tee und einem Müsliriegel. Auf den letzten 100 Hm unter dem Camp 2 treffen wir auf zwei weitere Bergsteiger, die gerade am Abstieg sind und hinter einem Felsen Schutz vor dem Wind suchen. „Noch ca. 45 Minuten, dann seid Ihr da! Aber Vorsicht, nach der Kuppe dort hinten erwartet Euch ein Inferno aus Wind und Schnee!“ Na super, sehr aufbauend. Wir gehen weiter.

Der Sturm schlägt hinter der Kuppe zu wie die Faust eines trainierten Boxers…aus Grönland. In der Ferne erkenne ich Sebi. Kurzes „Hallo“, kurze Umarmung und dann muss ich in den Windschutz ihres Zeltes.

Simone hat im Zelt Schutz vor dem Wind gefunden. Ich wärme meine Finger, setze meine Sturmbrille auf, ziehe dickere Handschuhe an und gehe wieder nach draußen. Dirk ist bereit dabei den Lagerplatz von Schnee zu befreien. Die Kälte macht ihm nichts aus. Er ist wirklich ein knallharter Kerl. Nachdem wir unsere Ausrüstung deponiert haben, beschweren wir sie mit schweren Steinen. Sicher ist sicher. Der Wind kann hier oben zu einem regelrechten Orkan anwachsen. Kein Ort um lange hier zu verweilen. Kein Ort, der für Menschen auf Dauer gemacht ist. Hier oben kann man Leiden lernen.  Aufgrund der Kälte, die durch den starken Wind noch verstärkt wird, machen wir uns auch schon bald auf den Rückweg.

In nicht mal einer Stunde sind wir wieder in Camp 1. Schnelles Absteigen im Schnee und Geröll. Die Gewissheit, dass man im Notfall recht schnell die Höhenmeter nach unten hinter sich lassen kann, ist eine Sicherheit. Ich schaue mir immer wieder das Gelände an, spiele im Gedanken, schon im Vorfeld der Expedition sämtliche Situationen durch. Notfallsituationen insbesondere. Damit mache ich mir keine Angst, ganz im Gegenteil. Das ist mein mentales Training für Sicherheit auf der Expedition. Wenn ich im Vorfeld bereits gedanklich schwierige Situationen durchgespielt habe, sind diese nichts absolut unbekanntes mehr, falls wirklich etwas passiert. Ich habe sozusagen bereits „Erfahrungen“ gesammelt. Wenn ich Erfahrung mit etwas habe, also Referenzerlebnisse habe, kann ich eine Situation besser beurteilen und bessere Entscheidungen treffen. Somit erweitere ich mental meine „Komfortzone“.
Die Komfortzone beschreibt den Bereich, in dem ich mir in meinen Handlungen und meinem Verhalten sicher bin. Ich weiß, welche Ergebnisse oder Reaktionen ich darauf zu erwarten habe. Ich kann die Situation also einschätzen, weil ich im Vorfeld auf die ein oder andere Art und Weise bereits gleiche oder ähnliche Erfahrungen gesammelt habe. Ich nenne diese Erfahrungen „Referenzerlebnisse“.  Diese kann ich zum Vergleich, also für meine „Bewertung“ der Situation heranziehen. Alles außerhalb meiner Komfortzone, ist für mich Neuland und schwer einzuschätzen, da mir eben diese Referenzerlebnisse fehlen. Dementsprechend unwohl fühle ich mich, wenn ich daran denke, aus meiner Komfortzone herauszugehen. Der Grund dafür ist oftmals Angst. Angst vor dem Unbekannten. Unbekannt und somit nicht einschätzbar. Wir befürchten, dass sich das Ergebnis unseres Einflusses entzieht. Angst liegt meist in der Zukunft. Die Vorstellung von dem unbekannten Ergebnis unserer  neuen Handlungen  sorgt für diese Angst. Mit Angst meine ich auch einfach nur ein ungutes Gefühl, vielleicht ein flaues Gefühl in der Magengegend oder ähnliches. Sobald wir etwas schon einmal gemacht haben, wir also Erfahrung damit gesammelt haben, ist es nichts Unbekanntes mehr und rückt somit in unsere Komfortzone oder zumindest nahe dran. Je öfter wir etwas tun, desto vertrauter ist uns die Handlung und desto einschätzbarer das Ergebnis. Umso  weiter rückt diese Handlung in unsere Komfortzone. Die Angst verringert sich immer mehr und verschwindet früher oder später. Die Komfortzone ist wieder etwas gewachsen. Das ist auch der Grundgedanke meiner Trainingsfirma „Max your Limits“ – Erweitern der Komfortzone. Dabei bediene ich mich gerne wirklich effektiven Outdoorübungen.
Die Nase ist trotz Sonnencreme Faktor 60 verbrannt. Ebenso meine Lippen. Der Wind und die Kälte haben ihren Teil ebenso dazu beigetragen. Mein rechtes Nasenloch blutet etwas. Simone und Sebi haben sich dazu entschlossen die Falsche Polenroute zu gehen. Wir hatten uns das gestern bereits gedacht, als wir gesehen hatten, dass die Beiden ihr Seil und einen Teil der Kletterausrüstung im Camp 1 gelassen hatten. Wir haben alles hochgebracht. Noch wollen wir den Polengletscher nicht aufgeben. Es liegt viel Schnee in den Vertiefungen. Bisher haben die wenigen Bergsteiger, die die Route versucht haben alle aufgeben müssen. Wegen dem Wetter, wegen dem Schnee. Wenn wir Glück haben, bläst der Sturm viel Schnee weg und die Sonne sorgt dafür, dass sich der Rest setzt und verfestigt. Ansonsten haben auch wir keine Chance 1000Hm bei 30-40° in über 6000m Höhe zu machen.  Wir werden sehen.

Der Sturm wächst an. Selbst die Sonne kann nicht mehr genug Wärme spenden um die kalte Luft zu kompensieren. Mir ist kalt. Der Kopf schmerzt wieder. Der Puls rast. Ich atme als hätte ich einen Dauerlauf am Berg hinter mich gebracht. Nach ein paar Stunden geht es mir wieder besser. Trinken. Viel trinken. Ich habe wenig Hunger. Trotzdem. Ich esse etwas von meinem Müsliriegel und trinke Mate mit Dirk. Dirk geht es gut. Seine O2 Sättigung ist bei 94%. Meine bei 79%. Das gibt mir zu denken. Ich freue mich, dass es Dirk gut geht. Der Mann ist wirklich top fit 
Der Wind nimmt zu. Ich messe 70Km/h! Wir legen uns noch vor dem Dunkelwerden in das Zelt. Draußen wird es ohne die Sonne zu kalt. Wir lesen. Ich höre schließlich Musik mit meinem MP3-Player während Dirk einschläft. Wieder Kopfschmerzen…hoffentlich schlafe ich bald ein. Der Mund ist extrem trocken. Das Atmen ist unangenehm. Auch die Schleimhäute meiner Nase sind sehr trocken. Die Nase brennt, ebenso die Lippen. Hoffentlich schlafe ich bald ein…der Sturm nimmt an Stärke zu. Wieder raus aus dem Schlafsack, raus aus dem Zelt, in den Sturm, Wasserlassen…hoffentlich schlafe ich bald ein…die Kopfschmerzen werden stärker…langsam begreife ich, dass es wirklich die Höhe ist. Keine Nackenverspannungen. Ich denke darüber nach abzusteigen. Nein, erst wenn es hell ist. Nicht bei dem Sturm. Nicht bei dieser Dunkelheit. Nicht in diesem Gelände.
Endlich…es wird hell! Ich habe kein Auge zu getan in dieser Nacht. Noch weniger Schlaf als in der Nacht davor…was ist mit mir los?

O2: 79%
Hf: 110 S/M in Ruhe

Tag 8 – Umzug ins erste Hochlager auf 5000m

Publiziert 21. Januar 2012 | Von marcoplass

07.01.2012: Umzug nach Camp 1, 5000m Höhe, 2h32min Aufstieg, 773Hm.
Heute ist der große Tag. Endlich geht es los. Das Warten hat ein Ende. Endlich wieder Bewegung, endlich Fortschritt. Endlich dem Ziel näher. Der Schnee taut langsam weg. Starker Wind mit Windgeschwindigkeiten bis 100Km/h sind angesagt für die nächsten Tage. Ich spanne das Zelt nochmal ab, sichere es zusätzlich mit Steinen am Boden, beschwere die Heringe. Solange jemand im Zelt liegt ist es kein Problem dem Wind zu trotzen. In Norwegen auf einer Solo-Wintertour geriet ich in einen schweren Schneesturm. Der Wind traf das Zelt von der Seite mit heftigen Böen, nachdem er gedreht hatte. Ich musste mich nachts mit dem Rücken gegen die Zeltwand drücken, damit das Zelt dem Sturm standhielt. Diesmal bleibt das Zelt ohne meine Hilfe zurück. Die Abspannungen müssen halten. Das Zelt ist in der Hauptwindrichtung aufgebaut, in Verlängerung des Gletschers, der von Camp 1 kommt. Durch die Geländeform ist es sehr wahrscheinlich, dass der wind zum Großteil genau aus dieser Richtung kommt. Wenn sich das so bewahrheitet, ist das Zelt sehr windschnittig und entsprechend stabil. Dreht der Wind, drückt also von der Seite gegen das Zelt, kann das Gestänge meines Tunnels brechen. Die Geodäten sind da stabiler. Zu allen Seiten. Wir beschweren das Zelt von innen mit unseren beiden Seesäcken und der verbleibenden Ausrüstung, die wir nicht mit in die Hochlager nehmen. Das sind unter anderem unsere Turnschuhe, weiteres Gas und Benzin, weiteres Essen, Ersatz Akkus für die Kamera und den Foto, ein Solarladegerät und ein paar Klamotten.
Ein letzter prüfender Blick auf die Abspannungen und los geht es. Trotz des Materials, das wir bereits in Camp 1 haben, tragen wir weitere 20 Kg nach oben.

Diesmal fällt uns der Weg schon etwas leichter. Um mich abzulenken und die Anstrengungen wenigstens etwas zu vergessen, gehe ich im Gedanken immer und immer wieder ein Mantra durch. Dieses Mantra begleitet mich schon seit einem Jahr…mehrmals täglich ist es in meinen Gedanken. Ich nutze die Zeit der Auf- und Abstiege um meine Zukunftsvision zu erschaffen. Mit jedem Mantra, mit jeder Wiederholung wird sie stärker, präsenter, wirklicher.
Die Wirkung von Mantras ist beeindruckend. Ich arbeite seit einigen Jahren damit. Angefangen habe ich damit in Schwedisch Lappland. Auf einer weiteren Winter-Solotour ging einiges schief. Die Skibindung brach, so dass ich mit Schneeschuhen weiter musste, das Zeltgestänge brach im Sturm und bohrte sich durch die Außenhaut des Zeltes, der Reißverschluss meiner GoreTex Jacke ging kaputt und das Zuggestänge meiner Pulka brach. Daneben bekam ich immer stärkere Schmerzen im Knie. Eine Überlastungserscheinung. Aufgeben wollte ich nicht. Also improvisierte ich so gut es mir möglich war, führte notdürftige Reparaturen durch und ging weiter. Um mir selbst Mut zuzureden und mich selbst zu motivieren, murmelte ich mit immer und immer wieder die gleichen Worte vor. Ich spürte praktisch gar nicht, wie ich immer und immer weiter kam. Plötzlich wurde mir bewusst was ich da tat. Indem ich immer und immer wieder diese Sätze sagte und dachte, war kein Platz für Zweifel. Unser Gehirn denkt Mono. Niemals Stereo. Positive Gedanken lassen keinen Platz für negative. Umgekehrt ist das allerdings leider genauso! Überlege Dir also sehr gut, mit welchen Gedanken du Dein Gehirn fütterst! Uns so wurde mir bewusst, was die alten Religionen schon vor Urzeiten entdeckt hatten. Ich verfeinerte meine „Leitsätze“ und stimmte sie immer feiner auf meine Ziele ab. Seit Jahren agiere ich so. Mit Erfolg. Wenn ich habe, was ich will, ändere ich den Inhalt meines Mantras und passe ihn meinen nächsten Zielen an. Je öfter ich es sage oder denke, desto stärker wird der Glaube daran. Und schließlich bestimmt unser Glaube unser Denken, das Denken unser Handeln und das Handeln bestimmt über die Ergebnisse, die wir erzielen. Die Ergebnisse wiederum bestimmen unsren Glauben. Das ist ein Kreislauf, eine sogenannte selbsterfüllende Prophezeiung. Negative Gedanken führen zu negativen Ergebnissen. Positive Gedanken führen hingegen zu positiven Ergebnissen. Mach Dir also klar, was Du wirklich willst und beginne Dein eigenes Mantra zu entwickeln. Das kann aus nur einem, bis vielen Sätzen bestehen. Meines ist der Einfachheit halber, nur ein Satz. In der Höhe von Vorteil wenn die Luft dünner wird und die Anstrengung mehr.
Nach 773Hm und 2h32min. sind wir da. Sebi und Simone sind bereits weiter. Ihr Zelt ist abgebaut, etwas Ausrüstung für den Abstieg zurückgelassen.

Ein kleines Rinnsal aus Schmelzwasser läuft an unserem Zelteingang vorbei. Dirk reagiert sofort ohne eine Pause von dem Anstieg zu nehmen, greift sich ein Eisgerät und beginnt einen Graben zu ziehen, in dem das Wasser abfließen kann ohne in unser Zelt zu laufen. Nur sehr langsam beruhigen sich mein Atem und mein Puls. Ungefähr 3 Stunden nach unserer Ankunft im Basislager ist wieder alles normal. Ich fühle mich besser. Im Laufe des Tages müssen wir das immer öfter machen. Die Sonne brennt unermüdlich und ebenso unermüdlich fließt das Schmelzwasser an unserem Zelt vorbei. Aus dem kleinen Rinnsal ist ein kleiner Bach geworden…wenn das so weitergeht müssen wir umziehen. Zum Glück stehen wir leicht erhöht, etwas außerhalb der Fließrichtung. Die Zelte unter uns sind bereits alle umgezogen. Auch der Zeltplatz von Sebi und Simone steht bereits in knöcheltiefem Wasser.
Wieder warten, lesen denken…und gelegentlich das Bachbett vertiefen. Zwei Müsliriegel sind unser Mittagessen. Zum Kaffee gibt es Mate. Die Toilettengänge sind hier einfacher. Ein paar Schritte weg vom Zelt und das wars. Das ist angenehmer als 200 Meter. So macht das Trinken auch wieder mehr Spaß. 5 Liter jeden Tag. Zuhause trinke ich maximal 3, selbst wenn ich Sport treibe. Das liegt hier an der sehr trockenen Luft. Ich denke an Juans Regel: Trinken, Pause, trinken…wenn nur die Warterei nicht wäre…ich verstehe nicht, weshalb ich es nicht einfach genießen kann. Urlaub. Keine Arbeit…doch genau das ist es, was mir fehlt. Ich liebe meine Arbeit. Ich lebe meine Arbeit. Aus welchem Grund auch immer, ich würde jetzt gerne an einem Projekt arbeiten. Ein Teamtraining oder so wäre wunderbar 

Weshalb bin ich nicht mehr so sehr auf den Gipfel fixiert, wie vor der Reise? Die Sinnfrage schiebt sich immer weiter in meinen Kopf. Noch habe ich keine Antwort…
Es wird Nacht. Die Temperaturen fallen unter null Grad. Wind kommt auf. Der Windmesser zeigt einen Windchill von 8,4 an. Unser Wasserstrom vor dem Zelt kommt langsam zu stehen. Aus dem Wasser ist festes, blankes Eis geworden.
Leichte Kopfschmerzen in der Nacht. Das werden wohl die Nackenverspannungen von dem Rucksack sein. Morgen geht es ins Camp 2 auf 5800m. Wir wollen einen Teil unserer Ausrüstung nach oben bringen. In zwei Tagen werden wir ganz oben unser Zelt aufbauen und dann nach weiteren zwei Tagen den Gipfel machen.

O2: 82%
Hf: 102 S/M

Tag 6 und 7 – Materialtransport zu Camp 1 und Gedanken…

Publiziert 20. Januar 2012 | Von marcoplass

05.01.2012: Materialtransport zu Camp 1, 5000m Höhe, 2h37min. Aufstieg, 773Hm
Heute werden wir einen Teil unseres Materials ins Camp 1 bringen. Auch unsere beiden Freunde aus München sind bereit zum Aufstieg. Sie sind uns mit der Akklimatisation einen Tag voraus. Die beiden werden oben bleiben und morgen weiter ins Camp 2 Aufsteigen um dort Material zu deponieren. Anschließend werden beide wieder in das Camp 1 absteigen und dort eine weitere Nacht verbringen.

Nachdem Dirk und ich unsere Ausrüstung für das erste Hochlager ausgewählt haben, gehen wir langsam los. In unseren Rucksäcken befindet sich Essen für weitere acht Tage, Kletterausrüstung, darunter Steigeisen, Klettergurt, Seil, Eisschrauben, Helm und Eisgeräte. Auch unser Hochlagerzelt ist neben unserem zweiten Kocher und ausreichend Gaskartuschen im Gepäck. Jeder von uns steigt mit guten 20 Kg auf dem Rücken die 773Hm über Geröll und Eis, vorbei an Büßereissäulen, sehr langsam hinauf. Trotz unseres langsamen Schrittes überholen wir zwei Gruppen von Bergsteigern. Kurz vor dem Camp, nach dem Büßereis wird der Untergrund weicher. Das weiche Geröll und die Steilheit in Kombination mit dem Gewicht im Rucksack und der Höhe kostet auf die letzten 100Hm sehr viel Kraft. Ständig rutscht der Fuß nach einem Schritt wieder ein Stück zurück. Das ist ähnlich, als würde man mit einer Gasmaske und einer Bleiweste einen steilen Sandstrand hochgehen  . Die angegebene Zeit von 4-6h gehen wir in etwas über 2h30min.

Im Camp 1 liegt noch etwas Schnee. Die Sonne scheint mit unermüdlicher Energie. Wir bauen unser Zelt, ein Einwandzelt von Exped, das Polaris, neben unseren Freunden aus München auf. Geschützt von Mauern aus Geröllbrocken gegen den Wind, der hier oben sehr ungemütlich werden kann, schlagen wir die Zeltheringe in den Boden und fixieren die Abspannleinen unserer Sturmbehausung mit schweren Felsblöcken. Nach fast zwei Stunden auf 5000m Höhe (so hoch war ich bisher noch nie, mein höchster Gipfel war bisher etwas über 4300m), machen wir uns langsam wieder an den Abstieg. Diesmal sind wir wirklich schnell unterwegs. Das weiche Geröll lädt zum schnellen Absteigen ein. Die Hacken der schweren Bergstiefel setzen als erstes auf, dringen in das Geröll ein und ich rutsche mit jedem Schritt ein Stück nach unten. Ich muss die Augen aufhalten und mich konzentrieren. Wenn ich auf einen zu dicken Felsbrocken steige, kann auch das zum Ausgleiten führen. Also richte ich den Blick konzentriert auf den Boden. Die Landschaft schaue ich mir an wenn ich stehe um zu atmen. Kurz vor den Büßereissäulen rutsche ich plötzlich weg. Blankeis unter einer dünnen Schicht von feinem Geröll. Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass ich die Hände aus den Schlaufen meiner Trekkingstöcke nehme wenn ich absteige. Ich habe mir schon einmal die Schulter beim Abstieg ausgekugelt aus genau diesem Grunde. Durch diese Vorsichtsmaßnahme ist nichts passiert. Der Ellbogen tut etwas weh, das ist auch schon alles. Also geht es jetzt etwas vorsichtiger weiter. Ich schaue zurück, Dirk kommt auch schon. Er hat mein Ausrutschen bemerkt und geht ebenfalls vorsichtiger.

Nach einer guten Stunde sind wir beide wieder im Basislager. Ich baue den Kocher auf. Der XGK-EX von MSR, ein wirklich guter Expeditionsbenzinkocher, den mir Cascade Design gesponsert hat, faucht im aufkommenden Wind. Wir sprechen automatisch etwas lauter um gegen diesen Düsenjet von Kocher anzukommen. Kurze Zeit später kocht auch schon das Wasser. Durch die Höhe müssen wir immer wieder durch pumpen Druck in die Benzinflasche bringen. Vor zwei Tagen, als wir den Kocher das erste Mal hier verwendeten, funktionierte er nicht gut. Eine schwache Flamme, eher ein schnurren als ein Fauchen. Das Wasser brauchte lange bis es kochte. Nachdem ich schließlich den Filter des Benzinschlauches in der Flasche entfernt hatte, lief er wie gewohnt. Einer der wichtigsten Punkte unterwegs ist, dass man sich zu helfen weiß. Mut um etwas auszuprobieren, um die Ecke denken, improvisieren wenn nötig. Es fallen immer mal wieder irgendwelche Reparaturen an, oder irgendetwas funktioniert aus irgendeinem Grund nicht. Sitzen und auf Hilfe warten ist bei mir nicht drin. Durch meine vielen Solo-Touren, Sommer wie Winter, habe ich gelernt Entscheidungen zu treffen und zu handeln. Das fängt im Kleinen an und wird umso wichtiger, je ernsthafter die Situation wird. Im Laufe der Jahre habe ich mir diese Eigenschaft, schnell und konsequent Entscheidungen zu treffen, antrainiert.

Wieder fällt Schnee vom Himmel. Diesmal noch mehr als gestern. Schwere, dicke Schneewolken bedecken den Himmel. Die Sonne ist nicht mehr zu sehen. Dirk und ich verziehen uns ins Zelt. Lesen, trinken, liegen…das ist unsere Mittagsbeschäftigung. Ich muss jede Stunde auf Toilette gehen…die viele Flüssigkeit fordert ihren Tribut. Da wir im Basislager nicht einfach irgendwohin machen dürfen, muss ich jedes Mal die Strecke von 200 Metern auf mich nehmen um mich zu erleichtern. Das nervt auf Dauer gewaltig. Ich muss mich zwingen weiterhin viel zu trinken.
In der Nacht schneit es noch stärker. Der Schnee ist nass und schwer. Ständig schlage ich von innen gegen die Zeltwände, damit der Schnee abrutscht. Zwischen den Stangen meines Zeltes sammelt sich der Schnee auf meinem Zeltdach. Aufgrund der Tunnelform rutscht er nicht so ab wie bei den anderen Zelten. Damit mein Zelt nicht zusammenbricht ist diese kleine Nebenbeschäftigung sehr wichtig. Mit U2 im Ohr schlafe ich irgendwann ein…

O2: 89%
Hf: 76 S/M

06.01.2012: Basislager 4200m Höhe. Eine weitere Zwangspause. Es schneit zu stark.

Es schneit und schneit und schneit. Zeit absitzen. Das zerrt am Gemüt. Zeit zum Nachdenken. Zeit um über mich nachzudenken, Zeit um über Zuhause nachzudenken, Zeit um über Teamtrainings nachzudenken und vor allem Zeit, um über den Gipfel nachzudenken.

Mein Ziel war es, live und unter extremen Bedingungen mehr darüber zu erfahren, was uns Menschen motiviert unsere gesteckten Ziele zu erreichen. Mein Ziel war der Aconcagua. Der höchste Berg außerhalb Asiens. Einer der 7 Summits, der höchsten Berge aller Kontinente. Dafür habe ich trainiert und investiert. Fünf bis sechs Mal am Tag trainieren. Mehrere Stunden. Sechs Monate lang. Neben der Arbeit, fast täglich an dem Projekt „Expedition Persönlichkeit“ gefeilt, Logos entwerfen lassen, einen neuen Blog in Auftrag gegeben, eine neue Facebook-Präsenz erstellen lassen, Gespräche mit Sponsoren und und und. Nachdem ich mich von einem Partner getrennt hatte, war ich bereit, die Expedition alleine zu bestreiten. Alleine den Polengletscher begehen. 30-40° Schnee und Eis, immer wieder Gletscherspalten dazwischen. Selbst die Tatsache, dass ich keinerlei Erfahrung mit der Höhe hatte schreckte mich nicht ab. Schließlich hat sich Dirk gemeldet und angefragt, ob ich die Expedition mit ihm zusammen machen möchte. Ich sagte zu. Eine sehr gute Entscheidung. Ich möchte auf diesem Wege Dirk auch meinen Dank und Respekt aussprechen. Wir sind uns in manchem sehr ähnlich. Dirk ist wie auch ich, eine Frohnatur, der geborene Optimist. Egal was ist, es ist für etwas gut. Wir haben einen sehr ähnlichen Fitnesslevel, auch akzeptieren wir, wenn einer von uns einmal Zeit für sich alleine benötigt. Wenn geschwiegen wird, kommt kein ungutes Gefühl auf. Verlegenheits-Reden gibt es nicht. Kein leerer Smalltalk. Wir können zusammen lachen, uns auch unsere Gefühle mitteilen. Wir können auch zusammen schweigen.

Wenn einer von uns schneller ist als der andere, dann ist das ok. Wir warten in den Pausen, oder spätestens im Lager. Wir sind beide Individualisten, die klare Regeln abgesprochen haben. Wir sind ein Team, in dem jeder ein Individualist und Macher ist. Ein Team mit klaren Regeln. Ein Team das respektvoll miteinander umgeht. Ein Team, indem wir sagen, wenn uns etwas nicht gefällt, ohne ein schlechtes Gefühl oder Angst davor zu haben, den anderen durch seine Ehrlichkeit verletzen zu können. Die optimale Voraussetzung für ein performentes Team. Nachdem wir uns bereits im Frühjahr bei einem meiner Wildnistrainings kennengelernt hatten und Dirk anschließend noch ein Firmentraining bei mir gebucht hatte, hatten wir uns bereits kennengelernt. Das war unsere Forming-Phase, wie wir das im Teambuilding nennen. Jeder ist nett, rücksichtsvoll und versucht sich von seiner besten Seite zu zeigen. Durch diese Trainings sind auch schon Dinge an die Oberfläche gekommen, die gezeigt haben, wie der andere wirklich tickt. Gerade bei Outdooraktivitäten, ist es schwer bis unmöglich, sich auf Dauer zu verstellen. Ich nutze das oftmals, um die „Storming-Phase“ des Teams einzuleiten. Es „kracht“ im Team, jeder zeigt, was ihm wichtig ist, wie er tickt. Daraufhin geht man in die „Norming-Phase“. Es werden Regeln für den Umgang untereinander im Team aufgestellt. Regeln, die für jedes Teammitglied akzeptabel sind. Das Norming hatten Dirk und ich auf dem Weg ins Basislager abgeschlossen. Klare Regeln: Wer schneller ist, geht einfach weiter. Wir sehen uns spätestens am Abend. Wer Pause braucht macht Pause, auch wenn der andere noch keine braucht. Wenn etwas nicht passt, sagen wir es sofort, wenn das viele Filmen meinerseits nervt, sag es mir bitte, Dirk,…das ist nur ein Auszug aus unserem Regelwerk im Umgang miteinander.
Diese Regeln haben uns in das „Performing“ gebracht. Das ist die Phase, in der ein Team wirkliche Höchstleistungen erbringt. Jeder gibt sein Bestes für ein gemeinsames Ziel. Das Ziel ist der Gipfel des Aconcagua über die Polenroute.
Im Laufe des Tages kommen mir schleichende Gedanken in den Kopf, darüber, was mich motiviert den Gipfel zu besteigen. Was motiviert mich gerade? Ich beantworte mir die Frage mit: „Nichts“! Es motiviert mich gerade nichts…was ist da los? Beim Aufstieg ins Basislager, den ersten  drei Tagen, habe ich mir die Frage damit beantwortet, dass meine Motivation ist, dass ich noch mehr mentale Stärke durch den Gipfel entwickle und „Felderfahrung“ über die Motivation bei dem Erreichen von Zielen sammle. Diese Erfahrungen, gepaart mit der Story der Expedition möchte ich in meinen Trainings und Seminaren nutzen.
Doch weshalb motiviert mich das jetzt gerade nicht?

Ich lasse den Gedanken fallen und lese weiter in meinem TA-Buch von Manfred. Später gehe ich zu Dirk ins Zelt, er ist in dem Basislagerzelt von Simone und Sebi. Wir trinken Kaffee und essen etwas von unseren Müsliriegeln.
Der Tag zieht sich so dahin. Toilette, Schnee vom Zelt abklopfen, Sturmleinen nachspannen, Ausrüstung für den endgültigen Aufstieg zu Camp 1 sortieren, lesen, trinken, Toilette, schlafen, langweilen. Zeitabsitzen. Schon wieder.

O2:89%
Hf: 79 S/M

Der fünfte Tag: Plaza Argentina – Basecamp

Publiziert 19. Januar 2012 | Von marcoplass

04.01.2012: BaseCamp, Plaza Argentina, 4200m Höhe, Ruhetag.
Der erste Morgen im Basislager. Dirk ging es gegen Abend bereits wieder besser. Die Nacht war bei uns beiden komplikationslos.

Simone und Sebi bringe heute einen Teil ihrer Ausrüstung ins erste Hochlager. Wir werden die beiden heute Abend dann beim Abendessen wieder sehen.

Im Laufe des Tages entschließen Dirk und ich uns dazu, doch ein paar Höhenmeter zu gehen. Wir entscheiden uns dafür, einen nahen Gipfel auf etwas über 4600m Höhe zu besteigen. Das Rumsitzen bin ich nicht gewohnt und es fällt mir entsprechend schwer, den ganzen Tag im oder vor dem Zelt zu sitzen und sich auszuruhen. Dank Manfred Frank, eines sehr lieben Freundes, habe ich ein Buch über die Transaktionsanalyse dabei. So bekomme ich einen Teil des Tages sinnvoll rum. Der Weg zum Gipfel führt uns zuerst wieder ein Stück auf dem gleichen Weg, den wir gestern gekommen sind, aus dem Basislager heraus.

Anschließend ca. 400 Hm über einen Schotterhang. Schließlich erreichen wir einen Sattel und gehen die letzten 60 Höhenmeter links weiter zum Gipfel. Die Temperaturen sind hier oben immer noch sehr warm. Es weht ein leichter Wind, der uns etwas Kühlung verschafft. Schnell  noch etwas trinken, den Blick auf das Basislager von hier oben ins sich aufnehmen, ein Bild mit unseren beiden strahlenden Gesichtern und dann geht es auch schon wieder an den Abstieg. Dirk geht vor. Nach kurzer Zeit ist er bereits so weit entfernt, dass ich ihn fast nicht mehr sehe. Er genießt das hinab Rennen im weichen Schotter. Es ist eine Freude ihm dabei zuzusehen. Für den Abstieg habe ich mich für die langsamere Variante entschieden, da ich mich in der Höhe nicht allzu sehr außer Atem bringen möchte. Schließlich war ich noch nie in dieser Höhe unterwegs. Ich möchte meinem Körper eine faire Chance geben, sich an die neuen, erweiterten Grenzen zu gewöhnen. Gegen Abend beginnt es zu schneien. Die abendlichen Regenwolken haben sich verdichtet und bringen nun Schnee ins Basislager. Ich hoffe mein Tunnelzelt hält dem nassen, schweren Schnee stand. Jede halbe Stunde schlage ich von innen gegen die Zeltwände um sie von den Schneemassen zu befreien.

Immer wieder gehe ich raus und spanne die Zeltwände nach, verschiebe die schweren Steine, an denen die Sturmleinen des Zeltes fixiert sind. Die restlichen Zelte im Basislager lachen eher über den Schnee. Den stabilen geodätischen Expeditionszelten, die Großteils von dem amerikanischen Bergsporthersteller „The North Face“ stammen, sind so aufgebaut, dass der Schnee leicht von den Zeltwänden abrutscht. Die Gestängekonstruktion  dieser „Geodäten“ stabilisiert sich selbst, indem sie kleine Dreiecke bildet, die dem Gewicht des Schnees und selbst sehr starkem Wind leicht trotzen. Diese Konstruktion schlägt sich natürlich auf das Gewicht der Zelte aus. Unser Tunnelzelt wiegt mit gerade einmal 2,3 Kilogramm, weniger als die Hälfte der Geodäten. Richtig abgespannt kann auch ein Tunnelzelt sehr stabil sein. Allerdings  würde es im Extremfall schlechter abschneiden als ein geodätisches Zelt.

O2: 92%
Hf: 67 S/M

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