Marco´s Expedition auf den Aconcagua Teil 1

Wie im Dezember bereits angekündigt, berichten wir heute von Marcos Expedition auf den Aconcagua. Wir freuen uns über diesen spannenden Bericht und sind gespannt auf weitere Neuigkeiten von der Expedition. 

31.12.2011: Los Puquios, 2700m Höhe, 5:30 aufstehen!

 

Um 7 Uhr mit dem Bus von Mendoza 4 Stunden unterwegs gewesen. Juan Manuel hat uns noch ein Pulsoximeter mitgegeben um unseren Sauerstoffgehalt im Blut zu messen. Das ist in der Höhe sehr wichtig. Daneben hat er uns noch ein Funkgerät ausgeliehen, um im Notfall mit den Parkrangern in Kontakt zu treten. Nach unserer Ankunft haben wir uns den Friedhof der Andenbergsteiger angesehen, die nicht vom Aconcagua zurükgekehrt sind. Das war schon sehr bedrückend für uns. Es ist wirklich eine ernsthafte Angelegenheit. Hier sterben Menschen…

Ansonsten empfinden wir große Vorfreude für die nächsten Tage in den Bergen. Wir haben bei Aconcaguatrek , eine lokalen Anbieter, unsere Gepäckstücke für die Mulis aufgegeben. Dirk 29 Kg, ich 26 Kg. Der Transport kostet hin und zurück 600 US$. Jeder von uns ist trotzdem noch mit 20 – 25 Kg auf dem Rücken unterwegs. Die nächsten 3 Tage werden wir unterwegs sein um ins Basislager zu kommen. Vor uns liegen erst mal 42 Km, 2132 Hm.

Gegen 18.00 Uhr argentinische Zeit, 24.00 Uhr deutsche Zeit haben wir uns und unseren Lieben zuhause (im Gedanken), ein frohes Neues Jahr gewünscht und uns langsam in die Schlafsäcke verkrochen.

01.01.2012: Pampa de Lenas, 2864 m Höhe, 4h20 min. unterwegs, 599Hm, 14 Km

Ein enges V-Tal mit hohen Felswänden links und rechts von uns. Aconcaguatrek hat den Transfer von Los Puquios zum Startpunkt unsres Abenteuers organisiert. 18 Km in einem alten, fragwürdigen Transporter. Einchecken, Permit überprüfen, Verhaltenskodex abnicken, Mülltüte mit persönlicher Kennnumer entgegennehmen und los geht´s. Es ist 10.37h. Der Weg führte uns von Punta de Vacas, dem Eingang des Aconcagua Nationalparks für die Polenroute, nach Pampa de Lenas. Die Temperaturen sind erdrückend. 35 Grad Celsius. Der Weg wechselt zwischen staubigen Untergrund und scharfem Geröll. Wo anfangs noch Bäume waren ist später nur noch Dornengestrüpp. Der Rucksack drückt unangenehm auf den Hüften und Schultern. Ich kenne das…in spätestens 3 Tagen habe ich mich an das Gewicht und den Druck gewöhnt. Eidechsen in schillernden Farben begleiten uns auf dem Weg. Hier und da überholen uns Mulis mit Massen an Expeditionsgepäck.

Jede Stunde machen wir eine kurze Trinkpause von maximal 5 Minuten. Dann geht es weiter. Nach unserer Ankunft gegen 14 Uhr bauen wir unser Zelt im Windschatten eines Felsblocks auf. Anschließend suchen wir uns ein schattiges Plätzchen zwischen großen Geröllbrocken. Schatten ist wichtig, denn die Sonne brennt unbarmherzig. Dann stellen unseren MSR Kocher „Reactor“ auf und setzen Mate an, ein typisch argentinisches Teegetränk. Juan Manuel hat uns drei Regeln mit auf den Weg gegeben: 1.: „drink a lot“, 2.: „rest enough“, 3.: „drink a lot“…in diesem Sinne: Salute Juan Manuel!

02.01.2012: Casa de Piedra, das steinerne Haus, 3245m Höhe, 4h40Min., 521Hm, 17km.

Der Weg kam uns ewig vor. Ein scheinbar nicht enden wollendes Tal. Die Höhenmeter sammeln sich schleichend, da der Anstieg sehr sachte ist. Immer weniger Dornengestrüpp, dafür ausgetrocknete Bachbetten, sandiger, staubtrockener Boden. Wir sehen aus, als wären wir in einem Sandsturm unterwegs gewesen. Jede Stunde haben wir wieder eine kurze Trinkpause gemacht. Unterwegs ist uns eine geführte Gruppe von Belgiern begegnet. Sie haben das gleiche Ziel wie wir. Später wollen sie allerdings die falsche Polenroute gehen. Heute hatten wir, kurz vor dem Ziel, einen ersten Blick auf den Riesen. Beeindruckend dieser Polengletscher. Riesige Spalten, Schnee und Eis, Windfahnen im Gipfelbereich. Wir freuen uns!  Endlich angekommen! Diesmal kein Schatten! Sonnenschutz Faktor 60 (für Babys) schützt unsere Haut. 5 Liter Wasser jeden Tag. Mir scheint es, als läuft es auf dem gleichen Wege raus, wie es rein kommt. Gerade der Mate treibt sehr stark den Urinfluss an.

Dirk und ich funktionieren gut als Team. Wir haben ein sehr ähnliche Tempo, brauchen etwas die gleichen Pausenabstände und haben uns von Anfang an darauf geeinigt, dass jeder von uns sein Tempo geht, Pausen macht wann er sie braucht und wir uns spätestens im Lager wieder sehen. Das wäre gar nicht nötig gewesen, entspannt uns allerdings beide im Umgang miteinander. Wir sind ein gutes Team. Wenn jemand nichts sagen möchte, dann ist das völlig ok. Sprechen aus Verlegenheit gibt es bei uns nicht. Auch die Lebenseinstellung passt gut. Dirk ist wie ich, ständig guter Laune und sieht die Dinge positiv.

Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, stellen wir fest, dass der Reißverschluss des Aussenzeltes kaputt ist. Wegen dem abendlich aufkommenden Wind und Gewitter, ist es wichtig, dass der Schaden behoben wird. Zum Glück habe ich Nähzeug dabei. Der untere Zipper-Schlitten ist defekt. Ich vernähe den Zipper unten. Er ist fixiert und kann keinen Schaden mehr anrichten. Das Aussenzelt lässt sich nun mit dem oberen Zipper öffnen. Unten ist es fixiert. Das ist zwar wenig bequem beim ein- und Ausstieg, allerdings besser als nichts. Wind und Wetter kann uns nichts mehr anhaben. Beim Öffnen meines Rucksackes stelle ich fest, dass eine Schnalle kaputt ist…heute ist ein guter Tag! Ersatzschnallen sind auch in meinem Reparatur-Set. Mit dem Multitool trenne ich die alte Schnalle vom Rucksack und nähe mit einer starken Nadel die neue Schnalle an. Sonst noch etwas was Bedarf hat repariert zu werden? Dirks Matte lässt Luft. Er möchte sie allerdings nicht flicken. Zweimal pro Nacht muss er wieder etwas Luft in die Matte geben. So geht es auch.

Das Abendessen besteht aus sehr schmackhafter Expeditionsnahrung von Lyofood. Schmeckt völlig natürlich.  Ganz im Gegenteil zu vielen anderen Herstellern werden nur natürliche Zutaten verwendet. Kein Brühwürfelgeschmack. Unter den vielen Expeditionsnahrungsherstellern wirklich eine ausgezeichnete Wahl! Nochmal danke an Wioletta und Jeremy von Lyo für das tolle Essen!!!

03.01.2012: BaseCamp, Plaza Argentina 4200 m Höhe, 4h56Min., 1012 Hm, 12 Km.

Um 8.14 Uhr geht es los. Die Sonne hat noch nicht die volle Kraft entwickelt. Heute geht es steiler bergauf. Schmale, ausgetretene, staubige Pfade. Mulispuren und Geröll. Kein Dornengestrüpp mehr. Hier und da noch ein minimaler Fleck Grün…Die Luft wird langsam dünner. Den Füßen in den Turnschuhen geht es gut. Undenkbar die Strecke in den schweren Hochgebirgsstiefeln mit Innenschuh zu gehen. Das wäre viel zu warm und die Haut an den Füßen wäre bereits nach kurzer Zeit aufgeweicht. Pro Stunde gibt es eine Pause. Das „Mittagessen“ besteht aus zwei bis maximal drei Müsliriegel. Das gibt Energie, belastet den Magen allerdings nicht zu sehr. Morgens gibt es Müsli mit Eiweißpulver. Zur Regeneration der Muskulatur. Insgesamt 2000Kcal/Tag. Nicht gerade viel im Vergleich zu den Anstrengungen. Ab dem Basislager ist abends noch ein Nachtisch drin. Milchreis, Amarettocreme oder Mousse au Chocolat. Auch Beef Jerky, getrocknetes Rindfleisch, sowie gefriergetrocknetes Obst von Lyofood werten unseren Speiseplan auf.

Als wir um 13.06 im Basislager ankommen erwarten uns schon Sebi und Simone aus München. Beide sind etwa zur gleichen Zeit unterwegs wie wir. Auch sie wollen die Polenroute begehen.

Das Zelt ist schnell aufgebaut, mit den Sturmleinen gegen starken Wind gesichert und durch eine Mauer aus aufeinandergeschichteten Steinen nochmals gegen den Wind geschützt. Nach dem Check-In bei der Lagerverwaltung kocht schon das erste Wasser für den Mate. Sebi und Simone sind noch etwas kritisch, wegen dem Geschmack, allerdings auch bald mir von der Partie. Leichte Kopfschmerzen stellen sich ein. Dirk bekommt stärkere Kopfschmerzen, muss sich übergeben und ist erst mal im Zelt verschwunden. Scheinbar vertrage ich die Höhe gut. Die Sonne brennt weiter unbarmherzig. Zum Glück geht etwas Wind. Gegen Nachmittag zieht der Himmel wieder zu. Dicke Kumuluswolken und Gewitter in der Ferne. Morgen setzen wir einen Tag Pause an!

Viele geführte Bergwanderungen findet ihr auch auf guiders.de. Diese können direkt online gebucht werden.